ALIEN CONTACT
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Christian von Aster (Hrsg)

Liber Vampirorum. les enfants du sang

2002

Science Fiction > Alien Contact
Buch-Tips
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Nach der ersten Anthologie gleichen Namens von 1998 und der erweiterten Neuausgabe von 2000 gibt es seit Sommer 2002 eine gänzlich neue Sammlung mit Geschichten zum Thema Vampire im Hausverlag des Christian von Aster. Er steuerte auch das Gros der Texte bei (fünf Stories, ein Gedicht). Zur Seite stehen ihm bekannte und weniger bekannte, gleichwohl vielversprechende Autoren und Autorinnen. Die 13 Texte beweisen, daß dem alten Thema Vampirismus neue, spannende, schwarz-humorige und frische Ideen abzugewinnen sind.

Eddie M. Angerhuber entführt in »Karaits Kuss« in eine wundervoll melancholische, dekadente Fantasy-Welt, die das Vampirmotiv mit einer Familien- und Initiationsstory verknüpft; ein Orakelspruch geht in Erfüllung, und zwei Schwestern treffen sich endlich, obwohl die eine bereits lange Zeit tot ist.

»Die traurige Gräfin«, auch von Angerhuber, behandelt das Thema auf klassische Art Stokerscher Prägung: osteuropäisches Ambiente, ein finsterer Wald voller unheimlicher Augen, ein verfallenes Schloß und eine tragische Opfer-/Täterfigur in Person einer unglücklich Verliebten, und ihr Gegenspieler, ein Wissenschaftler a là van Helsing.

Dagegen sind die Geschichten des Herausgebers gegenwartsbezogen, schwarz-humorig und pointiert. Der »Nachtfalter« ist ein vampiresker Schmetterlingssammler, der selbst gern das Larvenstadium hinter sich bringen würde. »Cocktails« schildert, wie ein alkoholkranker Vampir an seinen Stoff gelangt. Die »Blutmutter« fügt dem Vampirmythos einen neuen Aspekt hinzu und erklärt die Herkunft aller Vampire.

»Im Nagerparadies« ist der witzigste Text und zeigt, daß Vampire nicht nur in humaner Hülle umgehen. »Suck This!« ist das Ende aller Vampirstories und auch vorliegenden Bandes. Die Untoten sind anerkannte Mitglieder der menschlichen Gesellschaft und eine wichtige Zielgruppe der Lebensmittelindustrie. Doch nicht alle Vampire finden sich mit dem Blutersatz in Dosen ab.

Katrin Döscher, bereits Mitstreiterin im ersten Band, beschreibt in epischer Breite die unglückliche Liebe eines Dämonenfürsten zu einer Vampirin.

G. Enbarrs Text füllt nur zwei Seiten, die aber eindringlich davon erzählen, wie Vampire ihr Gefühlsdefizit kompensieren.

Boris Koch erzählt meisterlich von einer Männerfreundschaft zwischen einem Normalen und einem Vampir.

Bela B. - Fun-Punk bei Die Ärzte und Comic-Herausgeber - zeigt in »Jahrestag« zwei sehr unterschiedliche Leute, die in einer Laune von einem Vampir zu ebensolchen gemacht wurden und spüren, daß das Dasein als Untote wenig romantisch ist. Der Loosertyp kommt um, der ehemalige pedantische Buchhalter rächt sich an seinem Vampirvater.

Das stärkste Stück stammt von Brigitte Helbing. »Danke Mr. Trout« weiß köstlich zu unterhalten. Ihre Vampire werden nur von am Samstag geborenen Zwillingen wahrgenommen und saugen Seelen statt Blut. Ein Zigeunerzwillingspaar vermag seine Eltern vor den Untoten zu bewahren. Eine vorzügliche, ungewöhnlich erzählte, frische Story, überraschend, ironisch, frech - die beinahe als Kindergeschichte daherkommt.

Insgesamt enthält der Band eine hervorragende Mischung aus eigenwilligen Stories mit vielen stilistischen Facetten - keine Chance für Langeweile!

• Thomas Hofmann • ALIEN CONTACT

Originalausgabe
Christian von Aster (Hrsg), Liber Vampirorum. les enfants du sang
(Berlin: Midas Publishing, 2002) ISBN 3-935901-99-2
Paperback, 150 Seiten
[Direktbezug: Midas Publishing, c/o Christian von Aster, Christburger Str. 48, D-10405 Berlin, Internet: www.vonaster.de]
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