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Margaret Atwood

Oryx und Crake

Oryx and Crake • 2003

Science Fiction > Alien Contact
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In einer von neuartigen Tierschöpfungen bevölkerten Wildnis, die noch vor kurzem an eine Großstadt in Nordamerika grenzte, lebt ein Mann namens »Schneemensch« und wacht über ein neues Menschengeschlecht. Er ist gleichzeitig Lehrer und die einzige Verbindung zu Crake, seinem Schöpfer. Da diese Wesen nichts von dem kennen, was die Menschheit ausmachte, ist Schneemensch allein mit seinen Erinnerungen an all das, was zur jetzigen Situation führte. Diese Erinnerungen reichen bis in seine Kindheit zurück, als er Jimmy hieß und zur ersten Generation gehörte, die geboren wurde, nachdem die Heimsuchung der USA durch große Umweltkatastrophen begonnen hatte. Vom Wehklagen seiner Mutter über die verlorenen Naturschönheiten Nordamerikas begleitet, wächst er in den Wohnkomplexen großer Konzerne heran. Die ärmere Bevölkerung des Landes wohnt im von Seuchen und Gewalt heimgesuchten »Plebsland«, eine Mittelschicht gibt es nicht mehr.

Der sprachbegabte Jimmy ist in seinem Komplex ein Außenseiter, da die Bildung dort vor allem auf Mathematik und Naturwissenschaften ausgerichtet ist. Dennoch werden er und sein genialer Mitschüler Crake Freunde. Nach ihrer Ausbildung wird Jimmy Werbetexter, während Crake die Karriereleiter eines Unternehmens für Verjüngungsmedizin erklimmt. Doch das Schicksal führt sie auf zweierlei Weise erneut zusammen: Zum einen durch die Arbeit an einem Projekt, mit dem gleichzeitig sexuell übertragbare Krankheiten, Überbevölkerung und der Alterungsprozess bekämpft werden sollen. Zum anderen durch die Liebe zu der aus Asien stammenden Oryx, die von Menschenhändlern in die USA verschleppt wurde.

Ähnlich wie Der Report der Magd, Margaret Atwoods erstem Science-Fiction-Roman, ist auch ihre zweite Zukunftsvision eine logische und beängstigend konsequente Fortentwicklung des gegenwärtigen Zustands. Stets mit der nötigen Distanz und höchst unspektakulär erzählt die 64-jährige kanadische Autorin von Katastrophennachrichten als alltäglichem Phänomen, Tieren als Trägern menschlicher Ersatzorgane, allgegenwärtigen Seuchengefahren, Genmanipulation, Live-Hinrichtungen im Internet und Kinderhandel in Dritte-Welt-Ländern. Viele Entscheidungen der Protagonisten erscheinen zwar ethisch bedenklich, jedoch auch als kleineres Übel im Vergleich zu einem noch böseren Schicksal. Eine pauschale Verurteilung der zukünftigen Gesellschaft, wie sie z. B. Aldous Huxley in Schöne neue Welt vornahm, ist der Autorin fremd. Ihr Ziel ist vielmehr die Schilderung einer Zukunft, in der sich die eine Hälfte der Menschheit selbst aufgegeben hat und die andere aufwendige Vorkehrungen für das Überleben der nächsten Generation treffen muss. Ihr gelingt dies durch einen farbenfrohen Wortschatz und detaillierte Beschreibungen, welche die Ereignisse des Romans bildlich vorstellbar machen. Manche Prognosen des Buches sind zwar aus anderen Nahzukunfts-Szenarien bekannt, mit einem derart großen Ideenreichtum und in solch erschreckender Schönheit wurde jedoch selten vom Schicksal künftiger Generationen erzählt. Bedauerlich ist nur, dass dem Erzählfluss oft eine gewisse Langatmigkeit anhaftet. Etwas weniger Liebe zum Detail hätte dem Roman sicherlich nicht geschadet.

• Gregor Jungheim • ALIEN CONTACT

Originalausgabe
Margaret Atwood, Oryx and Crake Bestellen
Deutsche Erstausgabe
Margaret Atwood, Oryx und Crake
(Berlin: Berlin Verlag, 2003) Bestellen
Deutsch von Barbara Lüdemann, Titelbild von Henri Rousseau, 381 Seiten, HC
Weitere Meinungen zum Buch
von John Clute [ALIEN CONTACT • Gefährlich Ehrlich]
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