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In
Iain Banks neuestem Kultur-Roman wird das gigantische Masaq´-Orbital von einem
Agenten des chelgrianischen Volkes bedroht, der die Aufgabe hat, Rache für den
chelgrianischen Bürgerkrieg zu üben. Dieser Bürgerkrieg, der letztlich von der Kultur
mit verschuldet wurde, kostete fünf Milliarden Chelgrianern nicht nur das Leben, sondern
auch die Ehre und damit den Platz im Paradies. Diese Schmach kann nur gesühnt werden,
wenn ebenso viele Angehörige der Kultur ins Jenseits befördert werden - so
lautet zumindest die Theorie ...Dieser kurze Blick auf die Handlung von Blicke windwärts wird (wie bei Iain Banks nicht anders zu erwarten) dem Buch jedoch nur ansatzweise gerecht. Diverse Handlungsstränge, die nicht nur an unterschiedlichen Schauplätzen, sondern darüber hinaus zu den verschiedensten Zeiten spielen, fügen sich allmählich ineinander, so dass man dem Autor nur Bewunderung zollen kann, dass er sich nicht in seinem komplexen Romangebilde verheddert hat. Selten wurde ich beim Lesen eines Buches in letzter Zeit so gefesselt. Anfangs hatte ich allerdings den Eindruck, die Außerirdischen, besonders die chelgrianischen Hauptpersonen, seien als zu menschenähnlich geschildert. Im Laufe der Handlung kristallisiert sich jedoch eindeutig heraus, dass Banks dies bewusst so gemacht hat, um typisch menschliche Verhaltensweisen auf die literarische Schippe zu nehmen. Besonders amüsant ist dabei der ironische Blick auf gewisse egozentrische Künstler der Gegenwart, die in der Person des exilierten chelgrianischen Komponisten Ziller auf geniale Weise karikiert werden. Dieser fängt nämlich - wenn auch mit gutem Grund - fast schon wie ein beleidigtes Kind zu bocken an, als ein Emissär seines Volkes namens Quilan auftaucht, um ihn zur Rückkehr zu bewegen. Zillers Gegenspieler, eben jener Quilan, ist eine der interessantesten Personen des Romans. Selten tauchte in der Science Fiction bislang eine derart gebrochene und gleichzeitig realistische Figur auf. Langsam kristallisiert sich dabei heraus, dass der Konflikt zwischen Ziller und Quilan nur eine Facette in einem äußerst komplexen Machtkampf ist. Das Hauptthema des Romans ist nämlich die traurige Tatsache, dass Menschlichkeit und politische Verantwortung bekanntlich nur all zu oft mit Dummheit und den so genannten Sachzwängen kollidieren. Nicht umsonst ist der Roman den Veteranen des Golfkrieges gewidmet. Dies soll keine weitere ärgerliche Verherrlichung des angeblichen Heldentums der Kämpfer für Demokratie und andere »westliche Werte« sein, sondern vielmehr als Mahnung verstanden werden, sich nicht in vermeidbare Kriege zu stürzen, die - wie man heutzutage nur all zu gut sieht - alles nur schlimmer machen. Leider sind gerade in der Science Fiction Romane keine Seltenheit, in denen (wenn auch mit einem alibihaft bedauerndem Unterton) Krieg als legitimes Mittel, Konflikte zu lösen, propagiert wird. Dies sieht Ian Banks anders: Bei ihm gibt es keine eindeutig Schuldigen; selbst die Täter sind letztlich nur Opfer oder bestenfalls Schachfiguren in einem Spiel, das längst niemand mehr wirklich kontrolliert. Blicke windwärts, das im Original vor dem 11. September 2001 und den nachfolgenden weltweiten Veränderungen entstand, ist beinahe schon prophetisch, zeigt es uns doch eine tödlich-sinnlose Spirale aus Gewalt und Rache. Mit Sicherheit einer der besten SF-Romane des Jahres! Christian Hoffmann ALIEN CONTACT
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