Noch
während der Mondlandung von Apollo 11 im Jahre 1969 wird den Verantwortlichen der NASA
klar, daß für die folgenden Jahre ein neues Ziel der bemannten Weltraumforschung
formuliert werden muß. Nicht zuletzt ist es John F. Kennedy zu verdanken - der seit dem
Attentat von 1963 im Rollstuhl sitzt, aber immer noch großen politischen Einfluß hat -
daß sich Präsident Nixon entscheidet, nun alle Kräfte darauf zu konzentrieren, Menschen
zum Mars zu schicken. Dafür werden die Apollo-Flüge 15 bis 20 und andere Projekte wie
die Erkundung der äußeren Planeten durch unbemannte Sonden und die Entwicklung einer
wiederverwendbaren Raumfähre gestrichen. An Bord der Stationen Skylab und Moonlab werden
Erfahrungen für den längerfristigen Weltraumaufenthalt von Astronauten gesammelt,
während Apollo N, die erste Erprobung der seit 1957 entwickelten nuklearen NERVA-Rakete,
1980 in einer Katastrophe endet. Danach übernimmt Joe Muldoon, der nach Neil Armstrong
als zweiter Mensch den Mond betrat, die Leitung der Mission Ares, die auf die bewährte,
wenn auch weiterentwickelte Kombination aus Saturn-V-Rakete und Apollo-Kapsel
zurückgreift. Schließlich startet die Mission Ares im März 1985 vom
Jacqueline-B.-Kennedy-Raumfahrtzentrum in Cape Canaveral. Neben dem Kommandanten Phil
Stone werden mit Ralph Gershon der erste Schwarze und mit der Geologin Natalie York die
erste Frau von der NASA in den Weltraum geschickt. Fast genau ein Jahr später landet die
Marsfähre Challenger am 25. März 1986 erfolgreich in Mangala Vallis auf dem
Roten Planeten.
Stephen Baxters Mission Ares ist ein Alternativweltroman, der glaubwürdig
darzustellen versucht, daß die NASA unter anderen Voraussetzungen bereits in den
achtziger Jahren den ersten bemannten Marsflug hätte durchführen können. Der Autor
beweist profunde Kenntnisse des amerikanischen Raumfahrprogramms und zeigt deutlich auf
(nicht nur im informativen Nachwort), an welchen Punkten die Entwicklung von der uns
bekannten historischen Zeitlinie abweichen mußte, um zu diesem Resultat zu führen.
Derartige Pläne wurden tatsächlich von der NASA entwickelt, mußten dann jedoch wegen
Etatkürzungen zugunsten des Space Shuttle aufgegeben werden. Damit ist dieses Buch weit
mehr als reine Gedankenspielerei, denn es erlaubt dem Leser einen sehr aufschlußreichen
Blick hinter die Kulissen der bemannten Weltraumfahrt. Und es macht deutlich, daß die
NASA in unserer Wirklichkeit weit hinter ihren Möglichkeiten zurückgeblieben ist.
Der Anfang der Geschichte ist etwas zu sehr mit technischen Details überfrachtet, doch
wenn sich allmählich die Hauptakteure des Geschehens herausschälen, gewinnt der Roman an
Menschlichkeit und Spannung - vor allem im Verlauf der Apollo-N-Katastrophe und sogar am
Schluß, obwohl der Ausgang der Geschichte durch die Vor- und Rückblenden längst klar
geworden ist. Baxters 900-Seiten-Wälzer ist ein Muß für jeden, der sich für die
Anfänge der bemannten Weltraumfahrt im späten 20. Jahrhundert interessiert.
Bernhard Kempen ALIEN CONTACT
|
 |