| Dies ist ein Roman, schreibt Stephen Baxter im kurzen Nachwort. Evolution
sollte nicht wie ein Lehrbuch gelesen werden. Ja, gewiss, Baxter spekuliert. Saurier mit
Pfeil und Bogen und einen Luftwal hat es vermutlich nicht gegeben. Man muss allerdings
schon naturwissenschaftliches Interesse mitbringen für eine vergangene und eine künftige
Welt und die Spanne von 650 Millionen Jahren. Baxter wählt für sein Drama der
menschlichen Evolution die Optik des BBC-Tierfilms Deep Blue: für kurze Episoden
jeweils das stärkste Bild, Kommentare aus dem Off für Klima und Anthropologie. Die
Geschichte selbst beginnt mit einem Rattenwesen zwischen Dinosauriern vor dem Sturz des
Kometen und verlischt im Kokon, im Seelenfrieden, kurz bevor die Sonne stirbt. Das
Geschehen ist eine unablässige Erzählung von Fressen und Ficken, oft aus der Sicht von
Müttern. Nur wegen der Naturkapriolen im Pleistozän entstanden Intelligenz und Kultur.
Die erste Künstlerin war eine Verrückte, Neandertaler wurden als Konkurrenten
ausgerottet. Aber auch durch den Ackerbau wurde die Erde nicht zum Paradies. So begann nun
der Krieg gegen die Erde, schreibt Baxter.
Der englische Schriftsteller nimmt für sein Buch die tragischen Übergänge der Zeiten
und entwirft einige faszinierende Szenen (die Läufer, die Archäologie im späten Rom).
Übergreifende Spannung zwischen den Episoden entsteht aber kaum, und frühe wie späte
Menschen reden nicht. Die 2031 spielende Debatte innerhalb dieser ausgedehnt
spekulierenden Evolutionsgeschichte besteht aus Prolog, Zwischenspiel und einem einzigen
Kapitel. Das spielt in Darwin, Nordaustralien. Forscher führen eine Konferenz durch zur
Rettung der Erde und werden unter dem Feuer eines riesigen Vulkans von einer Sekte
bedroht. Das Fazit: Unsere Kultur ist eine Fehlanpassung. Im Kapitel danach sind aus dem
Kälteschlaf erwachte Bomberpiloten bereits die letzten Menschen in einem grün
überwachsenen England. Die Evolution läuft anders, scheinbar rückwärts, aber man kann
sich laut Baxter auf sie verlassen.
Uwe Salzbrenner ALIEN CONTACT
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