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»Brüchige Siege« ist ein Schauerroman, keine moderne Science Fiction. Wie gewohnt detailreich, doch handlungsarm, knüpft Bishop mit seinem Werk an »Frankenstein« an und schreibt ihn fort: Wie kommt solch ein Monster durch die Zeit? Wie lebt es unter Menschen? Kann es selbst Mensch sein? Aber das ist nicht der Kern der Geschichte. Der Autor beschreibt im wesentlichen einen Baseballsommer des Kriegsjahres 1943 in Georgia. Danny Boles aus Tenkiller, Oklahoma, ein großes Talent, wird von der Schule weg in eines der Minor-League-Farmteams geholt. Auf der Zugfahrt wird ihm übel mitgespielt und er verliert die Sprache. Dieses Unglück macht Danny zum idealen Beobachter. Er erzählt, Jahrzehnte später, aus der Sicht eines Halbwüchsigen über die Menschen in seiner Umgebung. Man schmeckt, riecht, hört und sieht dabei die US-amerikanischen Südstaaten: den Essiggeschmack des Essens, die Erdnußbutterfabriken, Windhosen aus Kriebelmücken. Natürlich auch die Nähte der Bälle, die Einschläge des Pferdeleders der Bälle in das Handschuhleder. Bishop läßt die Saison genüßlich zum Krimi wachsen. Nach Bishops Buch habe ich das Spiel nicht nur begriffen, ich mag es jetzt. Und Danny hat Hank Clerval, »Jumbo« genannt, als Zimmergenossen. Ein Gebirge von einem Kerl, häßlich und mit zusammengeflickter Haut. Man duldet ihn nur, weil er ein begnadeter Spieler ist - dabei ist er gebildet, feinfühlig und Vegetarier. Danny entdeckt Jumbos Herkunft als Monster in dessen Tagebüchern, sein zweites Leben als Frankenstein. Ein spannungsförderndes Element: Jumbo kommt in seinem tragischen Ringen ums Menschsein auch 1943 mit der Welt schlecht zurecht. Die Tagebücher sind in Mary Shelleys Stil geschrieben, also in altem Englisch; das haben Hendrick P. und Marianne Linckens gut übersetzt. Für die Slangs der Schwarzen empfehle ich jedoch das Original, erschienen bei Bantam Books. Uwe Salzbrenner ALIEN CONTACT |
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