| Eines Tages erwacht der
hellblaue Plüschelefant Berni im Kinderzimmer der neunjährigen Lissie zum Leben. Nach
und nach wird er sich seiner Umwelt bewußt und lernt, sich in der Welt zurechtzufinden.
Natürlich ist er nur dann aktiv, wenn er gerade nicht von seiner Besitzerin oder ihrer
alleinerziehenden Mutter Brigitte beobachtet wird. Durch den Müllschlucker gelangt Berni
schließlich in die große weite Welt, die er bis dahin nur aus Fernsehserien wie Die
Waltons kannte, und landet in »Zippos Wunderland«, einem typischen Berliner
Trödelladen. Dort freundet sich der Elefant mit einem Plüschraben an, und gemeinsam
verbringen sie die Nächte damit, über die eigenartige Welt der Menschen zu
philosophieren oder sich einen hinter die Binde zu kippen - aber buchstäblich. Der
Trödler Zippo und sein Kumpel Piet bemühen sich, ihren Krempel zu verscherbeln, und der
Elefant verliebt sich in eine Giraffe. Bernis Suche nach dem Stofftier führt ihn auf eine
Odyssee durch Flohmärkte und Kinderzimmer, bis er seine Geschichte in den Computer eines
verblüfften Schriftstellers tippt. Der Elefant auf dem Dach , der erste Roman
des Übersetzers und Autors Frank Böhmert, ist ein Kinderbuch nur für Erwachsene, ein
irrwitziger Genremix auf Schlingerkurs zwischen Trash und Literatur. Die Sprache ist
schnoddrig, nicht ganz jugendfrei und mit vielen Anspielungen gespickt. Der Roman lebt von
Alltagsbeobachtungen und fast schon nostalgischen Beschreibungen der Berliner Wendezeit.
Leider zieht sich die Geschichte in der Mitte etwas in die Länge, zumal es nur wenig
Interaktion zwischen Plüschtieren und Menschen gibt. Doch am Schluß wird es wieder
interessant, wenn endlich der Erzähler ins Spiel kommt. Wer Spaß an unkonventionellen
Erzählstrukturen und skurrilen Einfällen hat, wird mit dieser respektlosen Variante von Toy Story auf seine Kosten
kommen.
Bernhard Kempen ALIEN CONTACT
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