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Andreas Brandhorst

Der Metamorph

2004

Science Fiction > Alien Contact
Buch-Tips
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Auf dem abgelegenen Dschungelplaneten Kerberos entkommt ein gentechnisch erzeugter Organismus aus dem Labor der New Human Design. Der Metamorph wurde nicht nur als Geheimwaffe gegen die menschlichen Konkurrenten des Konsortiums entworfen – sondern auch als Werkzeug, um den insektoiden Kantaki das Monopol auf die überlichtschnelle Raumfahrt zu entreißen. Doch mit der regenerativen Materie Kerberos’, aus der der Metamorph geschaffen wurde, hat es eine eigene Bewandtnis. So kommt es, dass dem Metamorph bei dem heraufziehenden neuen Zeitkrieg eine andere Rolle zukommt, als seine Schöpfer ahnen konnten ...

Wie schon Im Vorgängerband Diamant bemüht Brandhorst sich, große Space Opera zu schreiben. Im Falle von Der Metamorph leidet sein Buch teilweise unter diesem Anspruch. Zu viele Hauptfiguren werden eingeführt, die größtenteils so holzschnittartig und ähnlich charakterisiert sind, dass man bis zum Ende des Romans Schwierigkeiten hat, sie auseinander zu halten – es handelt sich fast ausnahmslos um ältere Männer in politisch oder ökonomisch entscheidenden Positionen. Entsprechend lange braucht die Handlung, um in Gang zu kommen. Ab der Hälfte nimmt der Roman zwar etwas mehr Fahrt auf, aber bei gut 600 Seiten ist die Hälfte schlicht und einfach zu spät.

Die Crux des Romans ist, dass Brandhorst sich nicht zwischen seinen Handlungssträngen entscheiden kann – Diamant konnte überzeugen, weil er sich klar auf die Figuren Valdorian und Lidia konzentrierte. Im Metamorph ist Bruder Eklund noch am ehesten die zentrale Figur. Aber im Gegensatz zu Valdorian im ersten Band treibt Eklund die Handlung nicht im geringsten voran, weshalb es schwer ist, ihn als Hauptfigur anzunehmen.

Auch andere, zugegebenermaßen kleinere Mängel fallen ins Auge, die eher dem Lektorat anzulasten sind – was soll zum Beispiel ein »memoriales Bild« anderes sein als ein »Erinnerungsbild«, und warum dann nicht den letzteren, idiomatischen Begriff benutzen? Und während die meisten Begriffsschöpfungen (»pseudoreal«) zumindest gut nachvollziehbar sind, erscheinen Brandhorsts vereinzelte Versuche, kreativer mit Sprache umzugehen, eher halbherzig bis misslungen.

All das ist schade, weil man merkt, dass Brandhorst die Ideen und das Können hat, um etwas Besseres abzuliefern. So erzeugt der Roman den Verdacht, dass er eilig auf einen Abgabetermin hin fertiggestellt wurde. Es bleibt zu hoffen, dass der Autor sich für den angekündigten Band Der Zeitkrieg mehr Zeit nimmt.

• Jakob Schmidt • ALIEN CONTACT

Originalausgabe
Andreas Brandhorst: Der Metamorph
(München 2004: Heyne) [HSF 06/6478 (Einband: HTB 52009)] Bestellen
Titelbild: David Hardy, TB, 608 Seiten
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