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| Angesiedelt ist der Roman im
mittelalterlichen Italien, in einer Zeit, die vor allem für die blutigen Machtkämpfe
zwischen den Fürstenhäusern und durch Streitigkeiten zwischen verschiedenen Päpsten
berüchtigt ist. Ein ortsansässiger Magier und Goldschmied wird mit seiner Tochter Fiametta während eines Empfangs am Hof in die Händel zweier Fürstenhäuser verwickelt. Pech nur, daß der Magier auf der Flucht vor dem beginnenden Blutbad gezwungen ist, Partei gegen den Attantäter zu ergreifen, und Pech, daß dieser Attentäter die Herrschaft über die Stadt erringen kann, durch Mord und unter Einsatz schwarzer Magie. Und da Fiametta auch noch Zeugin des Mordes am rechtmäßigen Fürsten geworden ist, sind sie in großer Gefahr. So befinden sich der alte, verletzte Magier und seine noch kaum ausgebildete Tochter plötzlich und unvorbereitet auf der Flucht. Der Magier überlebt den nächsten Tag nicht, und weil seine Leiche dem Gegner in die Hände fällt, droht nun auch noch nach seinem Tod die Versklavung für die schwarzmagischen Pläne des neuen Tyrannen. Seine Tochter ist nun auf sich allein gestellt, mittellos, ohne Erlaubnis, Magie einzusetzen. Doch da sie bei der Rettung ihres Vaters auf ihre einzige Waffe angewiesen ist, droht nun auch noch Verfolgung durch die heilige Inquisition, die sich die Verfolgung von schwarzer Magie auf ihre Fahnen geschrieben hat, aber aus Vorsicht natürlich lieber gegen Hexen, die Läuseplagen verursachen oder auch mal Schuld am Tod einer kranken Kuh sind, ermittelt, als gegen einen mächtigen Herzog mit eigener Armee, der skrupellos selbst die Toten ausbeutet. Doch Hilfe naht, wenn sie am nötigsten ist... Und als der neue Herrscher waghalsig die Zwistigkeiten zwischen den Päpsten und die Schwäche der kirchlichen Truppen ausnutzt, um das Kloster zu belagern, finden sich auch im Klerus Verbündete. Für Spannung ist also gesorgt, und wie immer zeichnet die Autorin das Leben ihrer Personen genau und einfühlsam. Die Story ist gut durchdacht und kenntnisreich geschrieben, und man möchte fast sagen, daß, funktionierende Magie veraussgesetzt, sich die Dinge wohl so zugetragen haben könnten... Erstaunlich für Bücher des Genres (wie auch für die Mehrzahl der Science-Fiction-Publikationen) ist, daß uns die Autorin ein kurzes Nachwort spendiert hat. Louis McMaster Bujould nennt darin die Bücher, mit denen sie sich in die Materie eingearbeitet hat. Was zeigt, daß sich eine gut konstruierte magische Welt, in die sich der Leser gern entführen läßt, auch nicht so aus der hohlen Hand erfinden läßt, sondern ein komplizierter Tanz zwischen Mythen und Märchen auf der einen Seite und unserer Welt auf der anderen Seite ist. Schließlich muß die Funktion einer magischen Waffe wenigstens so plausibel gemacht werden wie das Prinzip eines Warp-Antriebs, um zumindest für die Zeit des Lesens glaubhaft zu sein. Und so ganz nebenbei wird auch noch Bells Theorem für Nicht-lokale Effekte aus der Quantenphysik zur Konstruktion eines mittelalterlichen Abhörgerätes verwendet... originell. Die Autorin ausgezeichneter Space Operas, darunter der Barrayar-Zyklus, hat fern ihres angestammten Genres gewildert und einen Fantasy-Roman geschrieben. Und was ist dabei herausgekommen? Vermutlich einer der besten Fantasy-Romane der letzten Zeit, so gut, daß man sich eine Fortsetzung wünscht, anstatt sie zu fürchten. High Fantasy für Feinschmecker. Und daß sich Fans der Bujoldsche Space Operas hier bedienen müssen, sollte eigentlich außer Frage stehen. Erik Zimmermann |
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