| Die Kurzgeschichte »Das
Chronoskop« von Isaac Asimov endet mit den Worten: »Sie, meine Herren, haben eine neue
Welt geschaffen. Ich beglückwünsche Sie zum neuen Leben im Goldfischglas. Möge jeder
von Ihnen dafür in der Hölle schmoren.« Die Maschine, damals noch auf Neutrino-Basis,
gestattete den Blick in die Vergangenheit. Die Regierung hielt die Hand über diese
Erfindung, um Mißbrauch zu verhindern. Diese Situation hat sich fast 100 Jahre später im
Roman von Stephen Baxter vollständig gewandelt. Nicht nur technisch - jetzt funktioniert
der Rückblick in die Zeit und über Entfernungen mittels Wurmlöchern -, im Jahr 2040
bemächtigt sich das FBI der Erfindung, kurze Zeit später ist die Privatsphäre nur noch
der Wunschtraum einiger Bürgerrechtsgruppen. Jeder kann sich eine kostengünstige WurmCam
zulegen, um seine Nachbarin im Bad zu beobachten oder seriöse Studien im amerikanischen
Bürgerkrieg durchzuführen. Dem Medienmogul Hiram Patterson ist es gemeinsam mit seinen
Söhnen Bobby und David gelungen, Wurmlöcher zu orten, zu weiten und zu stabilisieren, so
daß nun beliebig Zeit und Raum überbrückt werden können. Es gelingt den Physikern
immer besser, in die Vergangenheit vorzudringen, Beobachtungsorte anzuvisieren und
zusätzliche Kanäle zu öffnen. Die Journalistin Kate Manzoni bekommt frühzeitig Wind
von dieser Technik, die nicht nur für die Medien sensationelle Beschaffungsmöglichkeiten
eröffnet. Gleichzeitig entdeckt sie aber auch die familiären Konflikte zwischen
Patterson und seinen Söhnen. Sie wird zur Gefahr für den Medienzar und durch eine
Intrige hinter Gitter gebracht. Der zuständige FBI-Agent mißtraut jedoch den
WurmCam-Beobachtungen und deckt die Verschwörung gemeinsam mit Bobby auf. Der Rest der
mehr als 400 Seiten ist mit fiktiven Vorworten und Kommentaren, mit spekulativen
Beobachtungsprotokollen aus den Kreuzzügen oder dem Leben Jesu und einer Zeitreise durch
die Genesis bis zu den Wurzeln irdischen Lebens gefüllt. Fälschungen werden entlarvt und
Legenden auf ihren Gehalt abgeklopft. Zwar werden (laut Nachwort) die neuesten
Forschungsergebnisse von Historikern und Biologen verarbeitet, aber die Proportionen sind
für einen Roman verzerrt, das Werk wird eher zum Sachbuch mit Rahmenhandlung.
Wolfgang Both ALIEN CONTACT
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