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Der
Händler Freer trifft mit seinem Raumschiff Fliesentanz auf - oder besser gesagt:
in - dem Planeten Schanzer ein, um einen ungewöhnlichen Auftrag auszuführen: Mit Hilfe
der beiden Kampfsynths Vipassana und Uncle Sam soll er einen Datenkristall zum legendären
Planeten Eolxhir bringen. Dem Kristall scheint ebenso wie seiner Trägerin, dem
Pflanzenwesen Mamselle Geschickte Erdenbraut, eine besondere Rolle dabei zuzukommen, dass
intelligente Leben der Galaxis vor dem »Schimmel« zu retten - einer gefürchteten
Datenfraß-Seuche, die jeden Informationsfluss erstarren lässt. Allein die Spezies Homo
Sapiens ist ungewöhnlich resistent gegen diesen Schrecken. Das mag mit der ihr zu eigenen
Sinnestaubheit zu tun haben, die alle anderen Wesen dazu veranlasst, Deckung zu suchen,
wenn ein Homo Sapiens mit seinen maßlosen Geruchsäußerungen um sich wirft ...Jeder Versuch, den ersten Roman von John Clute, des Science-Fiction-Kenners schlechthin, anhand seiner Handlung zu beschreiben, ist zum Scheitern verurteilt. Sternentanz schöpft aus dem reichen Fundus der extravagantesten SF-Motive: Seine bombastischen Space-Opera-Bilder verbindet Clute mit einer ebenso durchdachten wie unauflösbaren Verwebung virtueller und materieller Welten - wobei er letzteren Ansatz unheimlich konsequent zu außergewöhnlichen Konzepten von »Leben« und »Bewusstsein« ausbaut. All das bringt sich allein schon in der Sprache dieses Romans zum Ausdruck, die auf den ersten Blick extrem undurchsichtig ist. Bildhafte, geradezu lyrische Erzählmodi stehen auf einer Ebene mit naturalistischen Ereignisschilderungen. Tatsächlich lässt sich bei Sternentanz keine Trennlinie zwischen diesen Ausdrucksweisen ziehen. Besonders auffällig ist das bei den Auftritten des sich ständig selbst verzehrenden Harpen Opsophagos: Der Versuch, sich anhand der Beschreibungen vorzustellen, wie dieses Wesen aussieht (falls es überhaupt eine körperliche Gestalt besitzt), muss erfolglos bleiben. Kategorien wie »Aussehen«, »Oberfläche«, »Körper« und »Kommunikation« existieren zwar auch in Clutes Universum. Aber ihre Bedeutungen haben sich so grundlegend geändert, dass nur eine Veränderung der Sprache selbst dem Rechnung tragen kann. Folglich liest Sternentanz sich etwa, als hätte Iain Banks einen Roman unter massivem Drogeneinfluss verfasst. Die Sprache des Romans richtet hohe Barrieren auf - die Mühe, diese zu überwinden, wird allerdings reich entlohnt. Viele undurchsichtige Motive des Romans fügen sich auf den letzten fünfzig Seiten zusammen und bilden, wenn sie auch nicht unbedingt erklärt werden, doch eine außergewöhnlich befriedigende Sinneinheit. Aufgelockert wird der Roman durch die Sprechweise seiner Figuren, die eine hochamüsanten Mischung aus höfischem Gestus, Slang und deftigem Vokabular von sich geben. Dieser Mix fügt sich nicht nur nahtlos in den Stil des Romans ein, sondern parodiert ihn zuweilen auch und macht damit deutlich, dass Clute sich bei allem literarisch-philosophischen Anspruch nicht übermäßig ernst nimmt. Sprachexperiment mit Tiefgang oder maßlose Weltraumphantasie - Sternentanz funktioniert auf beiden Ebenen. Clute schraubt mit seinem Erstling die Science Fiction eine Umdrehung weiter. Er benutzt ihre klassischen Motive, um eine ungeheuer dichte Sprache aus ihnen zu entwickeln, und erzählt dann mit dieser Sprache eine Geschichte. Wer bereit ist, ausreichend Zeit und Denkarbeit in dieses unverschämt großartige Experiment zu investieren, wird am Ende mit Fragen dastehen, die weitaus interessanter sind als die erwarteten Antworten. Jakob Schmidt ALIEN CONTACT
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| Ausgezeichnet mit dem Kurd Laßwitz Preis in der Kategorie »Beste Übersetzung 2003« | ![]() |
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