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| Franceso im Land der Delphine ist die erste Anthologie mit
phantastischen Geschichten überhaupt, die im Betzel Verlag erschienen ist, der bisher
eher zeitgenössische Erzählungen oder Kriminalromane veröffentlicht hat. Daher ist es
gewissermaßen ein Wagnis, seinem Publikum einmal etwas andere Erzählungen zu offerieren,
die sich mit dem Geheimnisvollen und Unerklärlichen beschäftigen. Umso bunter scheint daher die Auswahl der Erzählungen, die viele Facetten des Genres zu präsentieren bemüht ist: Der aus dem Fernsehen bekannte Horst Jüssen präsentiert mit »Die geheimnisvolle Insel« eine eher zeitgenössische Geschichte von der Küste mit leichtem phantastischen Einschlag. Ähnlich ist es bei Kurt Lehmkuhls »Francesco«. In »Eine rätselhafte Entscheidung« von Kurt Jaeger kann man das Besondere und Magische nur erahnen. Der Autor erzählt eine wahre Geschichte aus seiner Dschungelfliegerzeit in Afrika. »Onkel Alberts Porzellanpuppe«, in der eine solche einem alten Mann neues Leben schenkt, gehört er zum gepflegten Horror wie man ihn von den Autoren des ausgehenden 19. Jh. kennt; ebenso wie Irene Salzmanns »Mittags kommt das Grauen«, in dem das wahre Grauen eine für Horror-Fans eher witzige Wendung nimmt; und nicht zuletzt »Amduat-Ras Reise durch die Unterwelt«, die einen Ägyptenreisenden in die Götterwelt entführt, wo er eine Aufgabe zu Ende bringen soll, die sein Vorfahr nicht mehr erledigen konnte. Als reine Fantasy entpuppen sich schließlich »Dwai'lion der Magier« von Alfred Bekker, in dem ein mächtiger Zauberer nicht erkennt, wo die wahren Feinde lauern, und »Im Land der Delphine«, in dem eine alte Hexe zwei unglücklich Liebenden ihren Wunsch auf sehr ungewöhnliche Weise erfüllt, nur um auch selber ein Versprechen zu erfüllen. »Der Hüter des Waldes« von Dirk Brackenhoff entführt einen jungen Mann unserer Zeit in die Welt der Naturgeister und Phantasiegestalten, wo er als Hüter der Weisen Bäume ihren Lebensraum gegen das Böse beschützt. Auch die anderen, hier nicht genannten Geschichten - insgesamt sind es 18 - lassen sich in diese drei Bereiche einordnen und bieten so eine Vielzahl von unterschiedlichen Themen und Inhalten, wenngleich die Mischung immer noch nicht alle Facetten der Phantastik abdeckt. Durch die Kürze der Geschichten treten teilweise auch Schwächen der Inhalte zu Tage. Einige der Erzählungen wirken nicht richtig abgeschlossen und hinterlassen ein Gefühl der Enttäuschung, weil sie entweder keine spannenden, vielleicht auch überraschenden Höhepunkte bieten oder nur altbekannte Themen (das Monster im Kopf, magisch erscheinende Puppen) in gewohnter Weise variieren. Manchmal vermisst man phantastische Element gar gänzlich. Die reinen Fantasy-Erzählungen vermischen Märchenmotive mit genretypischen Inhalten. Insgesamt wird dem eingefleischten Genre-Fan also nicht viel Neues geboten. Trotzdem ist die Anthologie gelungen, weil ein Leser, der bisher noch nicht mit der Phantastik in Kontakt getreten ist, eine Vielzahl von unterschiedlichen Themen präsentiert bekommt, die ihn mal mehr mal weniger an das Reich der Phantasie heranführen oder am Boden der Realität belassen. Christel Scheja ALIEN CONTACT |
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