DinoMedia

Sir Arthur Conan Doyle

Die verlorene Welt

[Die vergessene Welt • Der streitbare Professor]
The Lost World • 1912

Science Fiction > DinoMedia
Buch-Tips
Momox-Books.de - Einfach verkaufen.

Handlung

Der Journalist Ed Malone von der Londoner Zeitung Daily Gazette wirbt um die schöne Gladys Hungerton, die jedoch zunächst Heldentaten von ihrem künftigen Ehemann erwartet. Malones Chef McArdle setzt ihn auf Professor George Edward Challenger an, der vor zwei Jahren auf einer Südamerika-Expedition war. Als er Challenger besucht, verrät er sich als Journalist, worauf der jähzornige Professor ihn hinauswirft und es eine Prügelei auf der Straße gibt. Danach kommt es zum ersten vernünftigen Gespräch, bei dem Challenger ihm von einem Plateau erzählt, das vom Forscher Maple White entdeckt wurde, und ihm Whites Zeichnung eines Stegosaurus und ein Foto mit einem Pterodactylus zeigt. Außerdem berichtet er ihm von der indianischen Legende über das schreckliche Monstrum Curupuri.

McArdle schickt Malone zum Treffen des Zoological Institute, wo Challenger den Vortrag von Professor Waldron mit der Behauptung stört, die Dinosaurier seien keineswegs ausgestorben. Darauf ernennt die Versammlung Professor Summerlee, den Sportsmann und Abenteurer Lord John Roxton und Ed Malone zu einem Komitee, das die Thesen Challengers untersuchen soll.

Sie brechen per Schiff auf, und erst in der Stadt Manaus am Amazonas stößt Challenger wieder zur Gruppe. Sie dringen immer tiefer in den Dschungel ein und fahren einen verborgenen Nebenfluß hinauf. Schließlich sehen sie das Maple White Land, ein unzugängliches Plateau, und auf einem Baum auf der Felspitze daneben einen Pterodactylus. Die Gruppe umrundet das Plateau, um einen Zugang zu suchen. Dabei finden sie das Skelett des Amerikaners John Colver, einem Begleiter von Maple White. Nachdem sich ein Tunnel als blockiert erwiesen hat, fällen sie die Buche auf der Felsnadel und benutzen den Baumstamm als Brücke. Der Einheimische Gomez wirft den Baum in die Schlucht, um sich dafür zu rächen, daß Lord Roxton einst seinen Bruder tötete.

Die Gruppe erkundet das Plateau und untersucht die seltsamen Pflanzen. Sie stoßen auf Iguanodons und den Sumpf der Pterodactylen. Dann wird das Lager von einem Raubsaurier - einem Allosaurus oder Megalosaurus - angegriffen. Nachdem sie auch noch ein Megaceros gesehen haben, klettert Malone auf einen großen Gingko-Baum, von dem er sich einen Überblick über das Verlorene Land verschafft.

Bei einem nächtlichen Ausflug an den See sieht Malone viele Tiere. Dann wird er von einem Raubsaurier verfolgt und stürzt in eine Fallgrube. Nach seiner Rückkehr ist das Lager verwüstet und verlassen. Lord Roxton berichtet ihm, daß sie von Affenmenschen (Pithecanthropus) überfallen wurden und er fliehen konnte. Gemeinsam folgen sie der Spur und beobachten, wie der Affenmenschenstamm Indianer opfert, indem man sie über die Klippe wirft. Als Summerlee an der Reihe ist, greifen die beiden an und befreien ihn und Challenger.

Die ebenfalls geretteten Accala-Indianer, die sich Iguanodons als Schlachttiere halten, führen die Abenteurer ans andere Ende des Plateaus zu ihren Wohnhöhlen. Unterwegs sehen sie im See einen Plesiosaurus. Die Abenteurer greifen zusammen mit den Indianern die Affenmenschen an und rotten den Stamm aus. Nach einem weiteren Angriff durch Raubsaurier versucht Challenger, einen Ballon steigen zu lassen, den er mit Gas aus einer vulkanischen Quelle gefüllt hat. Dann erhalten sie einen Tip vom gerettetem Häuptlingssohn und entdecken einen Fluchtweg in einer der Höhlen.

Als die Abenteuerer nach London zurückgekehrt sind, wird eine Versammlung in der Queen's Hall einberufen. Es kommt zu einem heftigen Gelehrtenstreit, auf dessen Höhepunkt Professor Challenger einen Pterodactylus aus einer Kiste holt. Das Tier flattert aufgeregt durch den Saal und entkommt durch ein Fenster. Später gehen Meldungen über verschiedene Sichtungen ein, und man vermutet, daß der Flugsaurier wahrscheinlich auf dem Atlantik verendet ist.

Ed Malone wird erneut bei Gladys Hungerton vorstellig, die jedoch in der Zwischenzeit einen Buchhalter geheiratet hat. Schließlich offenbart Lord Roxton, daß er Diamanten auf dem Plateau gefunden hat, deren Erlös auf die vier Mitglieder der Expedition aufgeteilt wird. Gemeinsam planen sie, demnächst eine neue Expedition zu starten.

Kritik

Mit dem Roman Die verlorene Welt führte Arthur Conan Doyle die Figur des Professor Challenger ein, die jedoch niemals die Popularität seines ersten Helden Sherlock Holmes erreichte. Trotzdem ist Die verlorene Welt zu einem Klassiker der Abenteuerliteratur geworden, der auch heute noch den Leser in den Bann ziehen kann.

Für die Gestaltung der urzeitlichen Welt auf dem Plateau zog Doyle den mit ihm befreundeten Paläontologen Edwin Ray Lankaster zu Rate. Trotzdem unterliefen dem Autor etliche Fehler, wenn beispielsweise vom Flugsaurier Pterodactylus die Rede ist, der kaum größer als eine Taube war, während der Beschreibung nach wohl das Pteranodon gemeint war. Auch die Zusammenstellung prähistorischer Lebensformen aus allen Epochen vom Iguanodon über den Pithecanthropus bis zum eiszeitlichen Riesenelch Megaceros erscheint nach dem heutigen Wissen über den Ablauf der Evolution äußerst fragwürdig. Diese Eigentümlichkeit wird jedoch etwas klarer, wenn man berücksichtigt, daß Doyle bzw. Professor Challenger sich als Anhänger der Theorie der parallelen Evolution zu erkennen gibt, die im frühen 18. Jahrhundert von Jean-Baptiste de Lamarck entwickelt wurde und vor allem um 1900 in wissenschaftlichen Kreisen sehr verbreitet war. Demnach haben sich die Affenmenschen auf dem südamerikanischen Plateau unabhängig von der Menschwerdung in der übrigen Welt aus den Neuweltaffen entwickelt und werden eines Tages auch den Homo sapiens hervorbringen. Entsprechendes gilt für alle anderen Tiergruppen, da sich die Evolution an jedem Ort und zu jeder Zeit nach demselben vorgegebenen Muster vollzieht.

Das Vorbild für das »Maple White Land« ist der geheimnisvolle Mount Roraima im Dreiländereck zwischen Brasilien, Venezuela und Guayana, auch wenn Doyle diesen Berg nirgendwo namentlich erwähnt.

Medieninfo

The Lost World erschien zunächst von April bis November 1912 in Fortsetzungen im Strand Magazine und kam noch im selben Jahr als Buch heraus. Seitdem wurde der Roman immer wieder aufgelegt und von verschiedenen Zeichnern illustriert. 1996 erschien eine kritische Ausgabe mit umfangreichen Anmerkungen.

Bereits 1925 wurde der Stoff erstmals mit großem Erfolg unter dem Titel Die verlorene Welt (The Lost World • USA 1925) mit Wallace Beery als Professor Challenger und Trickdinosauriern von Willis O'Brien verfilmt. Später kam es mit Versunkene Welt (The Lost World • USA 1960) von Irwin Allen und der zweiteiligen Fernsehproduktion Die verlorene Welt & Rückkehr in die verlorene Welt (The Lost World & Return to the Lost World • Kan 1992) zu weniger gelungenen Remakes. Ein Jahr nach der Premiere des Stummfilms erschien unter dem Titel Die verlorene Welt die erste deutsche Übersetzung des Romans. Spätere deutsche Ausgaben trugen den Titel Die vergessene Welt.

1995 erschien mit der Donald-Duck-Geschichte Die Verlorene Welt eine gelungene und sehr werkgetreue Comic-Version des Romans, in der die berühmte Ente die Rolle des Ed Malone spielt.

Obwohl das Motiv bereits vor Doyle literarisch verarbeitet wurde, ist der Roman stilprägend für das phantastische Genre der »Lost World« geworden. Am deutlichsten spielt Michael Crichton mit seinem Roman The Lost World - Die vergessene Welt (The Lost World • 1995), der Fortsetzung zu DinoPark (Jurassic Park • 1993), auf das große Vorbild an.

Bernhard Kempen

Sir Arthur Conan Doyle
Originalausgabe: The Lost World, in: Strand Magazine, Apr. - Nov. 1912.
englische Buchausgabe: The Lost World (London, New York, Toronto: Hodder and Stoughton, 1912)
englische Taschenbuchausgabe: The Lost World, illustriert von Ian Newsham (Harmondsworth: Puffin Books, 1981)
kritische Ausgabe: The Annotated Lost World. The Classic Adventure Novel by Arthur Conan Doyle, Anmerkungen und Einführung von Roy Pilot und Dr. Alvin Rodin (Indianapolis: Wessex Press, 1996)
deutsche Ausgabe: Die verlorene Welt, übersetzt von Karl Soll, illustriert von Richard Duschek (Berlin: Scherl, 1926)
deutsche Taschenbuchausgabe: Die vergessene Welt, übersetzt von Elisabeth Simon, illustriert von Hubert Schweizer, Erhard Ringer (München: Heyne, 1979) [H 3715]
Jugendbuch: Die vergessene Welt (Würzburg: Arena, 2001) Bestellen
Hörbuch
Die vergessene Welt (2005) Bestellen
Verfilmung
Die verlorene Welt (The Lost World • USA 1925)
Versunkene Welt (The Lost World • USA 1960) Bestellen
The Lost World (1982-84, nicht realisiert)
Die verlorene Welt & Rückkehr in die verlorene Welt (The Lost World & Return to the Lost World • Kan 1992)
Comic-Fassung
Donald Duck: Die Verlorene Welt (1995)
Internet
Englischer Volltext: http://www.intergo.com/Library/lit/doyle/lostwld/contents.htm
Siehe auch
Dinosaurier-Geschichten
Leser-Service:
Lieferbare Titel von Arthur Conan Doyle
Lieferbare Titel mit dem Stichwort Lost World
Bücher A B C D E F G H I J K L M N O P/Q R S T U V W X/Y/Z
© copyright 1997-2011 by EPILOGmedia • Alle Rechte vorbehalten
eMail: dialog@epilog.de | Impressum | AGB + Widerrufsrecht