Frank EschenbachDer Klang der StilleOriginalausgabe 1998 |
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Aus gesundheitlichen Gründen kehrt der dreißigjährige Ich-Erzähler
Adrian Woodward aus der Großstadt in seinen Heimatort, eine Kleinstadt am Rande der
kanadischen Wildnis, zurück, wo er mit seiner Freundin Jessica eine Blockhütte im Wald
bezieht. Den hauptberuflichen Verfasser phantastischer Literatur (!) suchen seltsam reale
Träume heim, in denen er nach und nach von seiner unausweichlichen Bestimmung erfährt.
Auch ansonsten geschehen seltsame Dinge; so entdeckt er zum Beispiel im Wald eine
schrecklich zugerichtete Leiche. Glücklicherweise kann Adrian auf die Hilfe alter
Bekannter zurückgreifen. Da wäre zum einen der alte Trapper Henson, von dem Adrian
erfährt, daß diese Sorte Leichen seit fast hundert Jahren vorkommt, wobei es sich immer
um die Überreste geldgieriger Profiteure handelt, die die Gegend für Wirtschaftsprojekte
erschließen wollten. Zum anderen wäre da die junge Patrisha, ein Indianerhalbblut und
Adrians große Jugendliebe, an die er sich aber nie so richtig herangetraut hat. Jessica
räumt dann bald das Feld und kehrt in die Großstadt zurück. Während sich Adrian und
Patrisha näherkommen, werden die Träume immer dramatischer. Schließlich hat er die
Vision, in Gestalt eines Wolfes einen Menschen zu töten, woraufhin auch bald eine neue
Leiche entdeckt wird. Die Stärken des Autors liegen in seiner Fähigkeit, langsam und schrittweise einen Spannungsbogen zu entwickeln und gekonnt neue Aspekte einzuführen. Vor allem in den reinen Handlungspassagen kommt manchmal richtig Fahrt auf. Und er deutet einen sehr interessanten Hintergrundmythos an, der neugierig macht. Diesen Stärken stehen aber leider zahlreiche Schwächen gegenüber. So verfolgt der Autor zu viele verschiedene Ideen, was auf Kosten der Handlung geht, die bis zum Ende zerfasert bleibt. Darüber hinaus sind sehr viele Passagen, darunter die meisten Dialoge, Spekulationen gewidmet, die oft die Grenze zur Esoterik überschreiten. Eschenbach erliegt immer wieder der Versuchung, sich darin zu verlieren, statt sich auf die Weiterentwicklung der Handlung zu konzentrieren. Hinzu kommt ein starker Hang zur Wiederholung. Ohne diese zahlreichen Schlenker wäre der Roman sicher bedeutend spannender ausgefallen. Der Hauptaspekt, der sich durch das ganze Buch zieht, besteht darin, daß Adrian zwischen einer Zivilisation, die ihm nur noch falsch und verlogen vorkommt, und der Natur, die ihn in ihrer Unbarmherzigkeit und Grausamkeit erschreckt, hin- und hergerissen ist. Vielleicht hätte er diesen Zwiespalt als offene Frage stehen lassen sollen, statt sich immer wieder erneut in Antworten zu versuchen, die ihn selbst nie ganz zufriedenstellen. Dem Autor ist für seine nächsten Bücher zu wünschen, daß er noch etwas an seinem Stil feilt. Weniger Füllwörter und Abschweifungen wären mehr gewesen. Auch ein größerer Abstand zum eigenen Text und eine Prise Humor oder Ironie könnten nicht schaden. Frank Eschenbach hat Stärken, auf die er sich künftig konzentrieren sollte, aber den Umgang mit dem Rotstift muß er noch lernen. Peter Samol ALIEN CONTACT
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