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| Sind Hörbücher etwas für Lese-Muffel? Eher kaum. Das Selbstlesen ersetzen
sie nicht, genauso wenig wie der Film oder das Hörspiel. Dafür bieten sie das Erlebnis,
entweder den Autor des Textes lesen zu hören (wer könnte ihn besser vortragen, als der,
der ihn schrieb?), oder aber das nicht weniger großartige Erlebnis, einen Text gekonnt
von Profis interpretiert zu hören. Die Produktion wurde nicht dem Zufall, sondern Profis in die Hände gelegt: Die Regie führt Sven Hasper (Dialogbuch und -regie für Sleepy Hollow, Titanic, American Psycho, The Game, Der Mondmann u. a.). Der ausführende Produzent war Lars Peter Lueg. Lovecraft kann man natürlich nicht mehr selber lesen lassen. Doch die Macher dieses umfangreichen Hörbuches ließen den Altmeister des Unheimlichen wieder auferstehen. David Nathan (Synchronstimme von Johnny Depp) mimt ihn und lässt ihn aus seinem Leben, seinem Schaffen und dem seiner Nachfolger erzählen. Und er führt feinfühlig und wortgewaltig in den sogenannten Cthulhu-Mythos ein. Diese »autobiografischen« Notizen sind regelrechte Kleinode, natürlich nicht wirklich von Lovecraft verfasst, aber so liebenswürdig vorgetragen, dass man schon davon kaum genug bekommen kann. Ja, diese Passagen hätten ruhig noch ausführlicher sein können! Den Hauptteil nehmen natürlich die durch Joachim Kerzel (Synchronstimme von Jack Nicholson, Dustin Hoffmann, Anthony Hopkins u. a.) sehr leidenschaftlich und mit Esprit vorgetragenen Primärtexte ein, als da wären: »Der Ruf des Cthulhu« (Lovecraft), »Der schwarze Stein« (Robert E. Howard), »Die Glocke im Turm« (Lovecraft und Lin Carter), »Warum Abdul Al Hazred dem Wahnsinn verfiel« (D. R. Smith), »Dagon« (Lovecraft) sowie »Ein Porträt Torquemadas« (Christian von Aster). Sicher, die Auswahl ist nicht repräsentativ; so dürften einige - klassische - Texte sicher sehr, andere dafür kaum bekannt sein. Alle vereint trotz ihres enormen zeitlichen Abstands eine horrible Idee: Vor Unzeiten beherrschten wahrlich schreckliche, gottgleiche Kreaturen die Erde. Und sie sind noch immer auf diesem Planeten, warten nur darauf, wieder aus ihrem untoten Dämmerzustand erweckt zu werden. Obwohl sie quasi schlafen, sind sie in der Lage, Menschen - im Traum - für ihre Zwecke zu beeinflussen, in den Wahnsinn zu treiben. Die Geschichten erzählen von schicksalhaften und infernalischen Begegnungen mit Artefakten, Kreaturen und Träumen aus der Zeit der urtümlich-unheimlichen Über-Wesen, und sie zeigen, wie gefährlich es sein kann, die ganze Wahrheit erfahren zu wollen. Die Plots der Geschichten ähneln einander, auch die mitunter manierierte, mit Adjektiven reich ausgestattete Sprache, die so typisch für diese Gattung der unheimlichen, makabren Literatur ist und die heute vielleicht etwas antiquiert und kompliziert wirkt, aber genau diese wunderbare unheimliche Stimmung erzeugt, für die die Fans Lovecraft mögen, ja vergöttern. Diese Produktion dürfte sowohl eingefleischten Lovecraft- und Cthulhu-Fans gefallen als auch den Neugierigen, die zwar schon viel von diesen obskuren Dingen hörten, aber bis dato nicht wagten, zu den zahlreichen Büchern, die es zu diesem Thema gibt, zu greifen. Thomas Hofmann ALIEN CONTACT |
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