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Alan Dean Foster

Die Außenseiter

Phylogenesis • 1999

Science Fiction > Alien Contact
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Der Homanx-Commonwealth-Kosmos von Alan Dean Foster vereinigt die meisten seiner außerhalb des Fantasy-Genres geschriebenen Romane zu einem Ganzen. Sowohl die Abenteuer des jungen Telepathen Flinx und seines empathischen Minidrachen Pip als auch eine Reihe von Romanen um die Erforschung und Störung fremder Ökosysteme sowohl durch Thranx als auch durch Menschen hat Foster in dieses Universum eingebettet. Mit der bislang unbegründeten Vermutung, dass der interstellare Abenteurer Skua September verwandtschaftlich mit Flinx verbunden ist, baute er eine Brücke zur Eissegler-Trilogie, die auf dem Planeten Tran-ky-ky spielt.

Das Commonwealth ist der föderativ strukturierte politische und kulturelle Zusammenschluss der von Menschen bewohnten Welten mit den Planeten der Thranx. Die Thranx sind eine insektoide Rasse, die den Menschen auf den ersten Blick Angst einflößen. Auch über Jahrhunderte des Kontakts hinweg halten sich diverse Vorurteile in den Köpfen der Menschen.

Die Außenseiter ist der erste Roman des so genannten »frühen« Homanx-Zyklus. Chronologisch betrachtet ist er allerdings nicht die erste Geschichte. In dem vor vielen Jahren erschienenen Buch Auch keine Tränen aus Kristall schildert Foster die erste Begegnung zwischen Menschen und Thranx. Eindrucksvoll beschreibt der Autor in diesem empfehlenswerten Buch, wie die Menschen ihre auf Äußerlichkeiten basierende Abscheu überwinden. Aus dem Blickwinkel der Aliens betrachtet kommen die bleichen Zweibeiner ebenfalls nicht gut weg.

An diesen Schlüsselroman schließt sich Die Außenseiter an. Die erste Begegnung hat stattgefunden und Menschen und Thranx knüpfen die nächsten vorsichtigen und von gegenseitigem Misstrauen durchzogenen Kontakte. Menschen siedeln in abgeschlossenen Habitaten auf den Thranx-Welten. Während die Thranx die erste fremde Rasse sind, denen die Menschen begegnet, haben sich die Insekten schon mehrmals mit den reptilienartigen und feindlichen Aann auseinandersetzen müssen.

Der zynische und vom Leben enttäuschte Thranx-Dichter Desvendapur ist der letzte Überlebende eines Nestes, das die Aann vernichtet haben. Er kann mit seiner jetzigen Existenz nichts Positives mehr anfangen und ist der Ansicht, nur in der streng bewachten menschlichen Kolonie Inspiration für seine große Ballade finden zu können. Bei seinem Eindringen tötet er aus Versehen einen Thranx, nimmt dessen Identität an, arbeitet sich in der Bürokratie hoch und erhält schließlich die Chance, mit einem Team auf die Erde zu reisen. Dort haben die Menschen in der Abgeschiedenheit der Anden unter strengster Geheimhaltung einen Stützpunkt für die Thranx eingerichtet.

Der kleine Gangster Cheelo Montoya hat ein anderes Problem: Sein letzter Coup ist schief gegangen und er hofft, im dichten Regenwald unterzutauchen. Er ahnt nicht, dass er dort auf Desvendapur treffen wird, dessen Landsleute ihn inzwischen als Mörder identifiziert haben und jagen ...

In Die Außenseiter spielt der Autor geschickt mit der Erwartungshaltung seiner Leser. Sein Thranx ist depressiv und zynisch, sein Kleinstadtgauner misstrauisch und verschlagen. Auf der Flucht im heißen Dschungel kommen sich die beiden unterschiedlichen Wesen näher. Keiner der beiden hätte sich je vorstellen können, Geschichte aktiv mitzuschreiben, und Foster gibt ihnen keinen Augenblick Zeit, über die historische Bedeutung der Ereignisse nachzudenken. Er nutzt ihre charakterlichen Stärken und Schwächen geschickt aus und baut so aus zwei Teilen ein Ganzes, auf dessen Fundament Jahrhunderte später ein Sternenreich sicher und souverän stehen wird.

Geschickt gelingt es Foster, eine nonverbale Brücke zwischen den beiden unterschiedlichen Wesen zu bauen. Dabei hilft dem Leser die Tatsache, dass der Autor seinen Roman mit den Außerirdischen begonnen hat und die Menschen auf den ersten Seiten nur indirekt durch die Beschreibungen der Thranx - von Gerüchten und Vorurteilen ins Unerkenntliche verzerrt - kaum in Erscheinung treten. Dadurch können sich auch mit den Thranx unvertraute Leser in die Handlung einarbeiten.

Langjährige Foster- und Homanx-Leser werden an anderen Stellen ihre Freude haben: Sehr konsequent beantwortet Foster diverse biologische Fragen über seine insektoiden Aliens, die in den bisherigen Romanen keine oder nur untergeordnete Rollen spielten. Im Gegensatz zu seinen humorvollen Romanen, die oft konstruiert und steif wirken, bedient sich Foster hier behutsam einer gewissen Situationskomik: Desvendapur nutzt geschickt das steife und formale Verhalten seiner Rasse, um seinen unglaublichen Plan umzusetzen. Dabei schildert der Autor einige Szenen augenzwinkernd, aber im Gesamtkontext nachvollziehbar. Das die ersten Begegnung zwischen Dichter und Straßenräuber viele Ansätze für humorvolle Seitenhiebe bietet, versteht sich von selbst. Auch hier operiert Foster mit einer Prise trockenen Humors und zerstört zu keinem Zeitpunkt die sich vorsichtig entwickelnde Sympathieebene zwischen den beiden so unterschiedlichen Wesen.

Mit Die Außenseiter kehrt Foster zu seinen Wurzeln zurück: farbenprächtigen intelligenten Space Operas mit exotischen Außerirdischen, klassischen Bösewichtern - in diesem Fall habgierige Menschen - und dreidimensional beschriebenen Figuren. Dabei erinnert das Buch an einen der besten Zyklen dieses Subgenres - H. Beam Pipers Fuzzy-Geschichten. Hier wie dort sind einige Menschen - nicht alle - die uneinsichtigen Bösewichte, und trotz aller Entbehrungen und Opfer wird der Weg zu einer unwahrscheinlichen, aber dauerhaften Freundschaft geebnet. Piper hat es sich mit den an Teddybären erinnernden Fuzzys aber deutlich leichter gemacht als Foster mit seinen Insekten. Dass es beiden Autoren gelungen ist, überzeugende, faszinierende und in gewisser Weise menschliche Außerirdischen zu erschaffen, kann hier nicht deutlich genug hervorgehoben werden.

• Thomas Harbach • ALIEN CONTACT

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Originalausgabe
Alan Dean Foster, Phylogenesis (1999)
Deutsche Erstausgabe
Alan Dean Foster, Die Außenseiter
(Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2004) [24327] Bestellen
Dt. von Ruggero Leo, Titelbild von Mark Harrison, 446 Seiten
Leser-Service
Lieferbare Titel von Alan Dean Foster
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