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| In einer isoliert
existierenden Welt gerät nicht nur die Technik aus den Fugen, auch das angeblich so
perfekte und gerechte System weist immer mehr Widersprüche auf. Aaron Monk, ein junger
Spitzel im »Amt für Stabilität«, stößt mehr aus Zufall auf eine Gruppe Dissidenten,
die die Gesellschaft von Grund auf reformieren wollen - und wandelt sich nach prägenden
Erlebnissen vom Saulus zum Paulus. Da haben wir ihn also wieder, den Wenderoman, wie er in den letzten Ausläufern der 80er Jahre das Bild der DDR-Science-Fiction prägte. Tätsächlich hat Klaus Frühauf ein Schubladen-Manuskript zu neuem Leben erweckt, nachdem der Verlag Neues Leben 1988 das Buch wegen »offensichtlicher und gefährlicher gesellschaftlicher Nähe« ablehnte und der Verlag Tribüne (1990 in »Treptower Verlagshaus« umgetauft) es trotz Vorankündigung infolge des eigenen Ablebens nicht mehr veröffentlichen konnte. Gelernte DDR-Bürger haben den zweifelhaften Vorzug, nicht nur einen gescheiterten Gesellschaftsentwurf erlebt zu haben, zumal, wenn sie schon zu den älteren Semestern gehören, die sich noch der Jahre des Zweiten Weltkriegs entsinnen. Die Stadt der tausend Augen ist ein Roman der enttäuschten Hoffnungen, eine Desillusionierung schlechthin und schon insofern als Dystopie angelegt. Den realen Gedankenhintergrund stellt natürlich das gescheiterte Experiment DDR dar, aber es lassen sich ohne weiteres Parallelen zum Heute ziehen. Um Frühaufs Anliegen zu verstehen, muß man nicht in der DDR gelebt haben, es genügt, die bestehende Gesellschaft zu analysieren, ohne sie zu beschönigen. Der Autor selbst stellt das in seinem Nachwort sehr prägnant dar: »In einer jeden Gesellschaft meint das Establishment, Minderheiten beobachten und disziplinieren zu müssen, wobei der Begriff Minderheit in den seltensten Fällen zahlenmäßig determiniert ist, sondern zumeist den Grad der Akzeptanz einer bestimmten Gruppe gegenüber dem etablierten System beschreibt. Von dieser Art und Weise, mit Andersdenkenden umzugehen, ist keine Gesellschaft frei, wie human sie sich auch immer darstellen mag.« Wäre Die Stadt der tausend Augen tatsächlich in der Umbruchzeit 1989 erschienen, die Aufmerksamkeit der Leser und des Feuilletons wäre ihm sicher gewesen. So aber ist der Roman eher eine Reminiszenz an vergangene Zeiten und vergebene Chancen - ein Ausläufer der DDR-SF, wie schon Angela & Karlheinz Steinmüllers Der Traummeister. Bücher, die zu spät kommen, bestraft der Leser. |
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