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Susanne Gerdom

Die schwarze Zitadelle. Anida 2

Originalausgabe • 2003

Science Fiction > Alien Contact
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Mit Die schwarze Zitadelle setzt Susanne Gerdom ihre Anida-Trilogie fort, die mit Anidas Prophezeihung ihren Anfang nahm. Im Rahmen der Förderung junger deutscher Autoren, die die Verlage im Moment aus wirtschaftlichen Gründen unternehmen, wurde die Autorin dazu ausersehen, der Leserschaft märchenhaft-romantische und mehr an Frauen gerichtete Fantasy zu bieten, in der es weniger um Action und Kampf, sonder mehr um Magie, Liebe und Mystik geht.

Anida setzt ihre Reise mit Marten, dem Bruder ihres ehemaligen Geliebten durch die Nebellande fort. Ihr Ziel ist die Schwarze Zitadelle, in der die Wurzel allen Übels liegen soll. Das Augenmerk richtet sich diesmal aber mehr auf Adina, auch Eddy genannt, Anidas Zwillingsschwester, die aus einer hochtechnisierten Welt stammt. Ylenia, die Herrin des weißen Ordens, nimmt ihre Nichte mit zu den Grennach, damit das Mädchen zu verstehen lernt, welche Aufgabe in den nun kommenden Zeiten ihrer harren. Eddy ist zunächst misstrauisch und kann sich nur schwer an die veränderten Lebensumstände gewöhnen, aber bei den Grennach, die in einem riesigen Baum wohnen, lernt sie, ihr Schicksal und die Zauber, die die Welt bieten, anzunehmen. Dabei hilft ihr vor allem eine leicht verrückte und verdrehte Grennach namens Jinqx, die auch später noch eine große Rolle spielen soll.

Anders als bei ihrer Schwester Anida, sind Eddys magische Gaben stärker ausgeprägt. So folgt sie dem Ruf der Macht und einer Ahnung, dass ihr Zwilling in Gefahr ist, und gelangt ebenfalls in die Schwarze Zitadelle.

In einem verwirrenden Labyrinth, das auch ihre Sinne täuscht, stellen sich die Schwestern ihrer Aufgabe, die magischen Steine, die ihnen anvertraut wurden, zu beschützen, auch wenn sie nun erkennen müssen, das jemand, von dem sie es nicht erwartet hätten, die Fäden in den Händen hält und ihnen großen Schmerz zufügen wird. Und damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende ...

Die Schwarze Zitadelle bleibt in den Erwartungen leider weit hinter Anidas Prophezeiung zurück. Ansätze, die im ersten Band der Trilogie sorgfältig ausgearbeitet wurden, spielen in dieser Geschichte plötzlich keine Rolle mehr. Eddy gewöhnt sich allzu schnell an die primitivere Umgebung und vergisst eigentlich alles, was sie in der anderen, hochtechnisierten, Welt gelernt hat. An einer fehlenden Entwicklung kranken auch die anderen wichtigen Figuren des Buches. Anida zeigt plötzlich nicht mehr den Einsatz und die Stärke, die sie noch im ersten Band besessen hat.

Ebenso wenig spielt die Schwesternschaft der Frauen eine Rolle, noch die politischen Umwälzungen in den Nebellanden, die Auswirkungen auf das Umfeld der Schwestern haben müssten.

Stattdessen konzentriert sich der Roman gerade im letzten Drittel - und auch das nur sehr oberflächlich - auf die Liebesgeschichte zwischen Anida und Marten und der daraus resultierenden Familie. Selbst die Ausbildung Adinas zur obersten weißen Hexe wird nur am Rande erwähnt, so dass der Roman immer mehr an Spannung verliert. Allein die Tatsache, das eine Enkeltochter die Erbin der Zwillingsschwestern sein wird, ist das Bindeglied zum abschließenden dritten Band.

Zusammenfassend wirken die beiden ersten Romane bereits so, als sei hier krampfhaft versucht worden, eine Geschichte, die in der vorliegenden Form vielleicht die Handlung für ein, zwei Bände geboten hätte, zu einem mehrbändigen Zyklus aufzublähen. Daran kann auch der gleichbleibend flüssige und lebhafte Stil der Autorin nichts ändern. Tatsächlich hätte es genügend Chancen gegeben, eine Erweiterung der Handlung erfolgreich zu meistern, aber die Autorin war offensichtlich zu sehr in den klassischen Charakterkonstellationen und inhaltlichen Konventionen gefangen, um die Möglichkeiten zu nutzen, die sie sich selber in Ansätzen geschaffen hat. Es genügt nicht nur, exotische Welten zu erschaffen oder einen ungewöhnlichen Hintergrund für eine Figur - der Autor muss all das, was er sich selber als Werkzeug bereit stellt, geschickt zu nutzen wissen. Sonst entsteht ein unbefriedigendes und sehr oberflächliches Flickwerk von allzu bekannten Versatzstücken.

• Christel Scheja • ALIEN CONTACT

Originalausgabe
Susanne Gerdom, Die Schwarze Zitadelle. Anida 2
(München: Heyne Verlag, 2003) [06/9242] Bestellen
Titelbild von Hans Werner Sahm, 333 Seiten
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