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| J. R.
R. Tolkiens Roman Der Herr der Ringe ist zweifellos ein Buch der Superlative.
Spätestens seit der Verfilmung durch
Peter Jackson sind Begriffe
wie Mittelerde, Hobbits oder Elben auch Nichtlesern vertraut - ein guter Grund, ein
Sachbuch mit fünfzehn Aufsätzen zum »Jahrhundertroman« herauszubringen.
Interessanterweise stammen die aufschlussreichsten Texte von den in Deutschland
unbekannteren Autoren wie Terry Windling (»Über Tolkien und Märchen«) oder Lisa
Goldstein (»Der Mythenschöpfer«), während Orson Scott Card zum
Beispiel belehren muss, »Wie Tolkien zu verstehen ist«. Douglas A. Anderson,
Tolkien-Fachmann und -Bibliograph, hat mit »Tolkien - nach all den Jahren« den
informativsten Aufsatz verfasst, worin er unter anderem auch auf die weiteren Werke
Tolkiens und die Reaktionen der Literaturkritik eingeht. Wissenschaftlich sicher
interessant, alerdings nicht unbedingt spannend zu lesen, ist Ursula K. Le Guins Beitrag,
der sich mit rhythmischen Strukturen in Tolkiens Sprache beschäftigt. Ein Interview mit
den Malern Tim und Greg Hildebrandt gibt Auskunft über deren Schaffen und darüber, wie
sie Tolkiens Welt in ihren Arbeiten festgehalten haben. Die anderen Beiträge von Fantasy-Autoren wie Raymond Feist, Poul Anderson, Michael Swanwick, Esther Friesner, Harry Turtledove, Terry Pratchett und Robin Hobb sind eher munteres Geplauder. Man merkt diesen Sachtexten an, wer ein guter Autor ist und wer nur Mittelmäßiges zustande bringt. Immer wieder wird betont, wie wichtig Tolkiens Werk für sie, für uns alle, ja für die ganze Welt ist. Fast alle haben Der Herr der Ringe mit zwölf oder dreizehn Jahren entdeckt, seither Dutzende Male gelesen, verdanken ihm unglaublich viele Anregungen und so weiter und so fort. Aufgrund der zahlreichen Wiederholungen hat man den Eindruck, dass Karen Haber als Herausgeberin entweder nicht sonderlich erfahren ist oder sich nicht getraute, die berühmten Kollegen zu bitten, ihre Texte aufeinander abzustimmen. Natürlich wagte auch niemand, Kritik an Tolkien zu üben oder gar auf die Idee zu kommen, dass Tolkiens Vorbildwirkung dafür verantwortlich sein könnte, dass ein Großteil der modernen Fantasyliteratur langatmig, ausschweifend und mit flachen Protagonisten versehen sein könnte. Ein kleines Meisterwerk ist der Klappentext des Buches, der hervorragend verschleiert, dass es sich hier um ein Sachbuch und keinen Erzählungsband handelt. - Ausgesprochen gelungen sind die zwei Dutzend Illustrationen von John Howe, in denen Figuren und Landschaften aus Der Herr der Ringe abgebildet sind. Terry Pratchett beginnt seinen Aufsatz mit den Worten: »Der Herr der Ringe ist ein Kultklassiker. Ich weiß, dass das stimmt, denn ich habe es in der Zeitung gelesen, im Fernsehen gesehen und im Radio gehört.« Und wir können es jetzt auch in diesem Buch nachlesen. |
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