| Frank W. Haubold bedient sich in seinem Erzählungsband Das Tor der
Träume einer düsteren psychologischen Phantastik, die aus der Tiefe seiner Seele
kommt. Fast möchte man meinen, auf dem Buch steht unsichtbar geschrieben: »Die, die ihr
dieses Bändchen aufschlagt, lasset alle Hoffnung fahren!« Dabei kann Haubold seine
Wurzeln in der DDR nicht verleugnen, möchte dies wohl auch nicht. Das Thema einer
Dystopie orwellscher Prägung zieht sich wie ein roter Faden durch alle Geschichten des
Buches, eigene Erfahrungen mischen sich mit Anleihen bei den Klassikern. Das Tor der
Träume scheint eher ein Tor der Alpträume zu sein. Doch ist dies keinesfalls ein
negatives Urteil. Denn hat man sich erst einmal auf die Sicht des Autors eingelassen und
folgt seinem Blick, offenbart sich ein großer Reichtum an Formen und Ideen, die den Leser
mitreißen und nach Beendigung der Lektüre (ein klein wenig) zu einem anderen Menschen
werden lassen. Während sich die Science
Fiction den Menschen oft auf dem Umweg futuristischer Technik und wissenschaftlicher
Visionen nähert, setzt Frank W. Haubold völlig auf eine tief gehende psychologische
Charakterstudie seiner Haupthelden, alles andere ist nur Mittel zum Zweck - ob nun
Marslandschaften oder Sternenkriegsszenarien. Haubold ist am eindrücklichsten dort, wo er
sich voll und ganz auf die Protagonisten konzentriert, auf ihre Beweggründe, Hoffnungen
und Skrupel. »A flor dos sonhos« steht exemplarisch für diese verdichtete Atmosphäre,
die keinerlei Ablenkungen zulässt. Die auf dem Mars handelnden Geschichten geben hingegen
auch noch eine andere Seite seines Repertoires wider, Phantastik in der Tradition Ray
Bradburys und Clifford Simaks, verhalten und doch kraftvoll. Geschichten, die nicht nur
auf eine Pointe zulaufen, sondern darüber hinaus etwas zu erzählen haben.
Das Tor der Träume ist einer der interessantesten im Jahr 2001 erschienenen
phantastischen Storybände.
Fred Siebert ALIEN CONTACT
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