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Elizabeth Haydon

Tochter des Windes

Rhapsody • 1999

Science Fiction > Alien Contact
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Romane, die in den USA als Bestseller gehandelt werden, müssen nicht zwangsläufig auch dem deutschen Lesegeschmack gefallen. Vor allem, wenn die Autorin in unseren Landen noch ein unbeschriebenes Blatt ist. Fest steht nur: Tochter des Windes ist wieder einmal nur der Auftakt zu einer epischen Fantasy-Saga, deren Ende ungewiss ist.

Am Anfang und Ende steht ein geheimnisvoller Fremder, der mit technisch-magischen Gerätschaften die Zeit manipuliert, die auf einer Art Filmrollen aufgezeichnet ist.

Doch auch er kann nicht in das Schicksal der Sängerin Rhapsody eingreifen, die vor einem habgierigen und grausamen Tyrannen flieht und sich dabei mit dem Meuchelmörder Achmed und dem Riesen Grunthor anfreundet. Auch diese beiden haben ihre Geheimnisse, die sich erst langsam enthüllen. Achmed ist selber auf der Flucht vor einem mächtigen Dämon, der bisher seine besonderen Fähigkeiten ausgenutzt hat.

Die drei fliehen in das Wurzelwerk der Welteneiche Sagia, ohne zu ahnen, das Zeit und Raum dort unten ihre Bedeutung verlieren. So kommen sie erstaunt an einem anderen Ort heraus und begreifen nach und nach, dass ganz offensichtlich auch eine Menge Zeit - mehr als 1500 Jahre - vergangen ist. Die Zeit, die sie kannten, ist ferne Vergangenheit, an die sich die Menschen nicht mehr erinnern. Die drei entwurzelten Freunde versuchen herauszufinden, was sich alles verändert hat, und ob ihre alten Feinde noch immer ihr Unwesen treiben. Sie bemühen sich, einen festen Stand in der jetzigen Welt zu finden, ohne ihren Prinzipien und Lebensweisen untreu zu werden. Auch wenn sie dafür Reiche erschüttern müssen.

Tochter des Windes enthält alle Zutaten, die ein gefälliger Fantasy-Roman heute aufweisen muss: eine weibliche Heldin mit großem Herz, deren Schönheit die Menschen betört und die ein tiefes moralisches Empfinden besitzt, aber nichtsdestoweniger zuschlagen kann. Einerseits neigt sie dazu, verlorene Kinder schnell zu adoptieren, andererseit kann sie sich durchaus mit Schwert und Magie wehren. Ihr zur Seite stehen der ruppige Riese mit der harten Schale und dem weichen Kern sowie der düstere Mörder mit Skrupeln. Später gesellt sich eine muntere Straßengöre als witziger Sidekick dazu. Geheimnisvolle Völker wie die Lirin und Seren, die an Elfen erinnern, aber auch hässliche Halbmenschen von niederer Entwicklungsstufe, intrigante Könige, hartherzige boshafte Tyrannen, weise Priester/innen laufen den drei Helden über den Weg, der sie durch zerstrittene Königreiche, ein phantastisches zeitloses Land unter der Erde und magische Gefilde führt. Obwohl die Handlung durch den überraschenden Zeitsprung einige komische und überraschende Wendungen besitzt, folgt sie in weiten Teilen ausgetretenen Pfaden und Mustern, die stark an historische Liebesromane erinnern.

Zum Zweiten wirkt der Roman durch das wahllose Gemisch aus Namen und Kulturelementen - teilweise irisch-keltisch-mythisch wie »FirBolg« oder »Serendair«, dann wieder typisch amerikanisch-modern wie »Emily« - und die flapsige Sprache unausgegoren. Elizabeth Haydon hat ein solides Fantasy-Abenteuer abgeliefert, das sich gut herunterlesen lässt, aber Bestseller-Qualitäten besitzt der Roman nicht.

• Christel Scheja • ALIEN CONTACT

Originalausgabe
Elizabeth Haydon, Rhapsody
(New York: St. Martin's, 1999)
lieferbare engl. Ausgabe
Elizabeth Haydon, Rhapsody
(New York: Tor, 2000) Bestellen
dt. Erstausgabe
Elizabeth Haydon, Tochter des Windes
(München: Heyne, 2003) [06/9380] Bestellen
dt. von Michael Windgassen, Titelbild von Nele Schütz, 767 Seiten, großformatiger Paperback
Leser-Service:
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