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Robert A. Heinlein

Der rote Planet

The Red Planet • 1949

Science Fiction > Alien Contact
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Der Mars ist seit über fünfzig Jahren kolonisiert, und die Menschen leben in friedlicher Koexistenz mit den Ureinwohnern des roten Planeten. Die »Mars-Gesellschaft« finanziert die Besiedlung und ist daher auch für die Verwaltung der Kolonien zuständig.

Protagonisten des Romans sind die Jugendlichen Jim und Frank sowie ein putziges Marsgeschöpf, das Willis gerufen wird und ebenso groß und rund wie ein Fußball ist. Willis kann zwar in beschränktem Maße kommunizieren, viel lieber jedoch gibt er gehörte Gespräche im Originalton wieder, beinahe wie ein Bandgerät.

Jim und Frank verlassen die Süd-Kolonie, um an der Lowell-Akademie zu studieren. Das Ziel beider Jungen ist es, eines Tages Raumpiloten zu werden. Doch die Akademie bekommt einen neuen Direktor, der mit äußerster Strenge Reglementierungen aufstellt, die ihn mehr als unbeliebt machen. Als er sich schließlich Willis aneignen will, ist das Maß voll. Jim rebelliert, befreit Willis aus dem Büro des Direktors, wo er eingeschlossen war, und erfährt durch Willis’ Nachplappern von einem Gespräch zwischen dem Direktor und Mr. Beecher, dem Chef der Mars-Gesellschaft, das Auswirkungen auf die gesamte Kolonie hat. Man plant, die Kolonisten im äußerst strengen Winter nicht auf die andere Halbkugel umziehen zu lassen, wie es seit Jahren üblich ist. Stattdessen sollen sie bleiben, wo sie sind, und man will die Sommer-Kolonie neu bevölkern. So spart man Kosten zur Errichtung weiterer Kolonien. Jim und Frank fliehen heimlich aus der Akademie, um ihre Eltern zu verständigen. Doch diese Flucht ist schwieriger, als sie dachten, denn schon nach kurzer Zeit wird ihr Fehlen bemerkt, und sie werden von Polizeikräften verfolgt.

Nach der Hälfte des Weges bleibt ihnen nichts weiter übrig, als zu Fuß bzw. auf Schlittschuhen in den vereisten Marskanälen weiterzureisen. Dabei erleben sie so manches Abenteuer mit der Mars-Flora. Und schließlich fliehen sie in eine Stadt der Marsianer. Diese drei Meter großen, rätselhaften Geschöpfe gewähren ihnen nicht nur Unterschlupf, sondern helfen ihnen sogar, schnell nach Hause zu gelangen.

Die Kolonisten beschließen, sofort zum Sommerkolonie aufzubrechen, ohne weitere Maßnahmen der Mars-Gesellschaft abzuwarten. Diese will die Kolonisten zur Raison bringen, es gibt sogar Tote. Doch schließlich nehmen selbst die Mitarbeiter des scheinbar verrückt gewordenen Mr. Beecher Vernunft an. Doch gerade, als man glaubt, alles würde gut, tauchen die Marsianer auf und verlangen, dass die Menschen wieder von ihrem Planeten verschwinden. Nur weil Jim ein so gutes Verhältnis zu ihnen und vor allem zu Willis hat, lassen sie sich schließlich auf ein weiteres Bleiben der Menschen ein. Und es stellt sich am Ende heraus, dass Willis eine frühe Form des ausgewachsenen Marsmenschen ist, also ein Mars-Kind.

Es ist sehr erstaunlich, in welcher Form Heinlein in einem Jugendbuch auf politische Verwicklungen eingeht. Dieser Roman ist weit davon entfernt, ein reiner Abenteuerroman zu sein, obwohl das Abenteuer nicht zu kurz kommt. Heinlein hält mit seiner Weltanschauung nicht hinterm Berg. Die Freiheit und Selbstbestimmung des Individuums wird häufig betont, wozu unter anderem auch das Tragen einer persönlichen Waffe gehört. Die Mars-Gesellschaft, die man mit der Regierung gleichsetzen kann, ist korrupt und unmenschlich, und nur beherzte Männer, die ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen und notfalls auch nicht vor Waffengewalt zurückschrecken, sind in der Lage, ihr die Stirn zu bieten. Im Grunde spielt Heinlein in diesem Buch einen Teil der amerikanischen Geschichte nach, denn es wird festgestellt, dass die Wortführer der »Mars-Gesellschaft« auf der Erde keine Ahnung von den tatsächlichen Verhältnissen auf dem Mars haben, und am Ende des Buches wird eine Unabhängigkeitserklärung der Mars-Kolonisten der Erde gegenüber verabschiedet.

Sehr interessant ist auch die Entwicklung der Ökosphäre in diesem Roman. Die Atmosphäre des Mars ist noch sehr dünn, aber mit Atemmasken erträglich. Nachts ist es so kalt, dass man selbst mit einem Schutzanzug erfrieren würde. An einigen Stellen wird erwähnt, dass Sauerstoff-Werke in den nächsten Jahren ihre Arbeit aufnehmen sollen, um langfristig den Sauerstoffgehalt der Marsatmosphäre zu erhöhen. Die Mars-Pflanzen sind an das Klima angepasst: Tagsüber verarbeiten sie jeden Sonnenstrahl, abends jedoch ziehen sich sich in den Marsboden zurück, um vor der Kälte geschützt zu sein.

Die Marsianer werden als rätselhafte, zurückhaltende und weise Wesen beschrieben, deren Kultur undurchschaubar ist. Zwar haben einige Menschen, darunter auch Jim und Frank, die Sprache der Marsianer gelernt, wissen sonst jedoch kaum etwas über sie.

Verglichen mit anderen Romanen der späten vierziger Jahre ist dieses Buch sehr vielschichtig und durchdacht und hat sicherlich schon damals viel zu Heinleins Reputation als herausragender Vertreter der SF beigetragen. Der Roman ist als Jugendbuch geeignet, aber auch von Erwachsenen gut zu lesen.

Hardy KettlitzALIEN CONTACT

Originalausgabe
Robert A. Heinlein, The Red Planet (Scribner’s, 1949)
dt. Erstausgabe
Robert A. Heinlein, Der rote Planet (Berlin: Gebrüder Weiß, 1952)
dt. Heftausgabe
Robert A. Heinlein, Der rote Planet [Teil 1] (München: Moewig, 1966) [Terra 454]
Robert A. Heinlein, Der rote Planet [Teil 2] (München: Moewig, 1966) [Terra 455]
dt. Neuausgabe
Robert A. Heinlein, Der rote Planet (München: Heyne, 1974) deutsch von Herbert Roch
dt. Neuausgabe
Robert A. Heinlein, Der rote Planet
(Bergisch Gladbach: Bastei-Lübbe, 1999) [23214] Bestellen
deutsch von Herbert Roch, Titelbild von Barclay Shaw
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