| Rupert Venables kann sich nicht über mangelnde Arbeit beklagen. Offiziell
verdient er seinen Lebensunterhalt als Designer von Computerspielen, während nur wenige
Eingeweihte wissen, daß er im Hauptberuf als Magid tätig ist. Sein Einsatzbereich
umfaßt neben der Erde die vielen anderen Welten des Multiversums, die größtenteils
unter der Herrschaft des Kaisers Koryfos stehen. Als der Kaiser einem Attentat zum Opfer
fällt, soll Rupert unter den zahlreichen Verwandten und Konkubinensprößlingen den
rechtmäßigen Thronerben ausfindig machen. Außerdem muß er sich um seine eigene
Nachfolge kümmern und einen neuen Magid-Schüler suchen, da sein alter Mentor Stan das
Zeitliche gesegnet hat. Doch die Wahl gestaltet sich schwierig, obwohl Stan, der Rupert
noch eine Weile in geistiger Form zur Seite steht, eine Liste mit Kandidaten hinterlassen
hat. Also beschließt der Magid, die Kraftlinien so zu manipulieren, daß sich die Wege
der Kandidaten an einem bestimmten Ort kreuzen. Dazu hat er sich ausgerechnet das
britische Städtchen Wantchester erwählt, in dem sich alljährlich am Osterwochende eine
Schar merkwürdiger Spinner zum »PhantasmaCon« trifft. Im Veranstaltungshotel kommt es
nun zum chaotischen Stelldichein von nichtsahnenden Gästen und Fantasy-Autoren, die in
Wirklichkeit böse Magier sind, während ein verletzter Kentaur durch die Gänge trabt,
die aussichtsreichste Kandidatin Maree Mallory auf eine Reise durch die Dimensionen
geschickt wird und schließlich die Truppen des koryfonischen Generals Dakros den
Konferenzsaal stürmen. Die britische Autorin Diana Wynne Jones schrieb zunächst eine
Reihe preisgekrönter Jugendbücher, bis sie mit Plötzlich war da wilder Zauber
ins Fach der humorvollen Fantasy wechselte. Eine
Frage der Balance ist ihre zweite skurrile Komödie, die vor Einfallsreichtum
übersprudelt, eine geniale Mischung aus Terry Pratchett und Tom
Sharpe, gleichzeitig eine gelungene Parodie auf das Fantasy-Genre und eine köstliche
Satire über die Fantasy-Szene. Die Konfrontation zwischen der irdischen Wirklichkeit und
der farbenfrohen Exotik des Multiversums, das seinen Höhepunkt in der pointierten
Schilderung des Fantasy-Cons findet, ist ein Lesevergnügen ersten Ranges. Der einzige
Makel sind die letzten vierzig Seiten des Romans, die, nachdem bereits alles gesagt und
getan ist, eine überflüssige Parallelhandlung in der Rückschau vertiefen.
Bernhard Kempen ALIEN CONTACT
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