| Hans Dieter Klein trat im Jahr 2000 mit einem dicken Science-Fiction-Wälzer schlagartig ins
Licht der Öffentlichkeit: Googol erntete
gleichermaßen Kritik und Lob und war für alle wichtigen SF-Preise nominiert. Der gelernte
Fotograf und Luft- und Raumfahrttechniker erwarb damit eine Eintrittskarte in die Reihe
der erfolgreichen deutschen SF-Autoren und arbeitete parallel zu Googol bereits
an einem zweiten Roman, der den Arbeitstitel UFO trug. Dieses Buch ist jetzt
unter dem Titel Phainomenon erschienen - Phainomenon, ein Wortspiel, das eher
Nebel über die Handlung legt, als aufklärt. Denn im Altgriechischen bedeutet es soviel
wie »das Erscheinende« bzw. »das, was sich zeigt«. Einen ähnlich kryptischen Namen
wählte nur Rainer Fuhrmann für seinen 1996 posthum veröffentlichten Roman Kairos. Der
Techniker H. D. Klein dominiert die erste Hälfte von Phainomenon, in der es
darum geht, dass eine Raumfähre der NASA zur Aufklärung einer UFO-Erscheinung eingesetzt
wird. Die Besatzung unter dem Commander Jim DeHaney nimmt Kontakt mit dem fremden Schiff
auf und wird auf unerklärliche Weise von diesem in eine zehntausend Jahre zurückliegende
Zeit versetzt. Ab diesem Zeitpunkt überschreitet der Autor die Grenze der Science Fiction
zur Fantasy, denn die Handlung nimmt
zunehmend unwirkliche Züge an. Nach der Bruchlandung des Shuttles INTREPID werden die
Raumfahrer auf die Baustelle der Pyramiden von Giseh (!) verschleppt. Ein außerirdisches
Wesen namens Belvedere (das einem bekannten Pharao sehr ähnlich ist) lässt dort eine
Zeitmaschine errichten, die es weit in die Zukunft befördern soll, denn auf der Erde wird
es ungemütlich. Die Eiszeit lässt ganze Kontinente unter der Last ihrer Gletscher
ersticken. Beim großen Showdown entscheiden sich die Schicksale der Protagonisten: des
aus dem Jahr 1924 entführten Uhrmachers Steinvogel, des Commanders und der Crew der
INTREPID sowie von Belvedere selbst. Manche Ideen sind sehr originell, andere scheinen
eher von biblischen und altägyptischen Legenden inspiriert. So vermag das Ende nicht mehr
zu überraschen und beschließt doch - wenn man sich auf die Serpentinen des Plots
einlässt - eine solide konstruierte Geschichte.
Anders als viele Autoren vermeidet es H. D. Klein, den Leser mit allzu vielen
englischen Namen zu verwirren. Das Buch wendet sich eindeutig an deutsche Leser, die auch
ihren Hans Dominik oder Karl May gelesen haben. Protagonisten wie Thomas Schweighard oder
Jonathan Steinvogel wirken wie in Fraktur geschrieben. Das verleiht dem Roman eine Patina,
die sich stetig verstärkt und zum Ende hin alles überlagert. Mit Phainomenon
kehrt Klein zu den Wurzeln der deutschen Science Fiction zurück.
Fred Siebert |
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