Boris
Koch hat sich im Laufe der letzten Jahre zu einem exzellenten Erzähler entwickelt. Seine
Vielseitigkeit als Autor konnte er in seinen Erzählungsbänden allein oder
gemeinsam mit Christian von Aster bereits mehrfach unter Beweis stellen. Dieses Mal
ist das Vorwort eine Geschichte über den titelgebenden griechischen Gott. Und in allen
folgenden Texten tanzt Dionysos auf die eine oder andere Weise. Die wenigen
schwächeren Geschichten des Bandes beschäftigen sich mit dem Innenleben ihrer
Protagonisten und diversen Formen des Wahnsinns. Zur erzählerischen Bestform läuft Koch
immer dann auf, wenn er klassische Horror-Themen in der modernen Welt ansiedelt, wie zum
Beispiel in der Vampirgeschichte »Jo«. Aber auch zwei herrliche Absurditäten sind in
diesem Band zu finden: die Zwei-Seiten-Geschichte »Monoleben« und sexuelle Groteske
»Manneskraft«. Vielleicht wirken Kochs Erzählungen gerade deshalb so überzeugend, weil
er im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen sexuelle Themen nicht ausspart, sondern
selbstverständlich in die Texte integriert, ohne dass sie peinlich wirken.
Höhepunkt des Buches ist die Erzählung »Martina«. Der Ich-Erzähler berichtet über
seine jugendliche Freundin Martina, die eine Musikliebhaberin ist. Als sie eines Tages im
Wald angeblich eine unvergesslich großartige Melodie gehört hat, wird ihre Liebhaberei
jedoch zur Besessenheit. Martina ist kaum noch wiederzuerkennen, und schließlich vergisst
sie sich selbst ...
eine der besten Geschichten der deutschen Phantastik in den letzten Jahren.
Allein dieser Text rechtfertigt die Anschaffung des Erzählungsbandes. Boris Koch
gehört neben Malte Sembten zweifellos zu den talentiertesten deutschen Autoren der
dunklen Phantastik.
Hardy
Kettlitz ALIEN CONTACT
|