ALIEN CONTACT

Harry Kreuzmann

Zeitlos im Teufelskreis

1999

Science Fiction > Alien Contact
Buch-Tips
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Dieses Buch als »Science-Fiction-Roman« zu bezeichnen ist mutig, denn das SF-Element bildet allenfalls ein Vehikel, um die verschiedenen Ebenen der Handlung miteinander zu verbinden. Der Protagonist (in dem man Sehnsüchte und Ansichten des Autors verkörpert sehen kann) steht mit seinen Seelennöten im Mittelpunkt der Handlung, die eine Art Reise ins Ich darstellt. Nach jahrzehntelangem Leben in den USA wird der gebürtige Ostdeutsche mit dem Schatten seiner ersten Jugendliebe im fernen kalten Germany konfrontiert. Dieser Hader mit sich und der Vergangenheit prägt das ganze Buch und läßt kaum noch Platz für eine nennenswerte Handlung. Der erste Teil widmet sich ziemlich komplett der Wiederfindungsphase des Reiseleiters Paul Schulz, der durch die Betreuung einer deutschen Reisegruppe an längst vergessen geglaubte Geschehnisse seiner Jugend erinnert wird. Dieser lange Reisebericht kann auch als Lobeshymne auf die unbegrenzte amerikanische Freiheit gelesen werden, getrübt nur durch einige sozialkritische Einsprengsel. Europa wirkt miefig, kleinbürgerlich und anachronistisch gegenüber dem strahlenden neuen Utopia (mit kleinen Fehlern), Eigeninitiative und Mut zum Risiko triumphieren über Larmoyanz und Vollkasko-Mentalität. Solcherart an einem toten Punkt angekommen, zieht sich Harry Kreuzmann sozusagen an den eigenen Haaren aus dem Sumpf, um sowohl das psychologische Problem seines Akteurs als auch die Flaute in der Handlung zu lösen: Eine Zeitschleife, verursacht durch unvorsichtiges Herumexperimentieren einiger Forscher. Vergleichbar mit einer Schallplatte hat der normale Zeitablauf im Universum sozusagen einen Kratzer bekommen und hängt nun fest, dazu verurteilt, immer und immer wieder die letzten dreißig Jahre zu wiederholen. Die an Vernesche Phantasien erinnernde Apparatur der Wissenschaftler wie auch der Kunstgriff des Autors, das Paradoxon wieder aufzuheben, sind reichlich an den Haaren herbeigezogen, aber verglichen mit der ansonsten recht trockenen Handlung nachgerade erfrischend unkonventionell. Der Trick ermöglicht es ihm gleichfalls, ohne einen Bruch in der Handlung zu verursachen, einfach mittendrin wieder von vorn anzufangen und schon bekannte Textpassagen - leicht modifiziert - mehrfach zu verwerten. Zeitlos im Teufelskreis ist ein gutgemeintes Buch, das, aufs wesentliche gekürzt, durchaus noch eine passable Erzählung abgegeben hätte. Die reichhaltige Verwendung klassischer Bonmots, eine gewisse Altbackenheit, Weitschweifigkeit und die Neigung, eben Gesagtes zur Bekräftigung noch einmal zu wiederholen, lassen es aber sehr zum Bedauern des Rezensenten letztlich zu einer Art in Prosa gefaßter Zitatensammlung mit Lindenstraßen-Happy-End verflachen.

• Fred Siebert • ALIEN CONTACT

Harry Kreuzmann
Zeitlos im Teufelskreis (Berlin: Frieling & Partner, 1999) Bestellen
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