| Dieses
Buch als »Science-Fiction-Roman« zu
bezeichnen ist mutig, denn das SF-Element bildet allenfalls ein Vehikel, um die
verschiedenen Ebenen der Handlung miteinander zu verbinden. Der Protagonist (in dem man
Sehnsüchte und Ansichten des Autors verkörpert sehen kann) steht mit seinen Seelennöten
im Mittelpunkt der Handlung, die eine Art Reise ins Ich darstellt. Nach jahrzehntelangem
Leben in den USA wird der gebürtige Ostdeutsche mit dem Schatten seiner ersten
Jugendliebe im fernen kalten Germany konfrontiert. Dieser Hader mit sich und der
Vergangenheit prägt das ganze Buch und läßt kaum noch Platz für eine nennenswerte
Handlung. Der erste Teil widmet sich ziemlich komplett der Wiederfindungsphase des
Reiseleiters Paul Schulz, der durch die Betreuung einer deutschen Reisegruppe an längst
vergessen geglaubte Geschehnisse seiner Jugend erinnert wird. Dieser lange Reisebericht
kann auch als Lobeshymne auf die unbegrenzte amerikanische Freiheit gelesen werden,
getrübt nur durch einige sozialkritische Einsprengsel. Europa wirkt miefig,
kleinbürgerlich und anachronistisch gegenüber dem strahlenden neuen Utopia (mit kleinen
Fehlern), Eigeninitiative und Mut zum Risiko triumphieren über Larmoyanz und
Vollkasko-Mentalität. Solcherart an einem toten Punkt angekommen, zieht sich Harry
Kreuzmann sozusagen an den eigenen Haaren aus dem Sumpf, um sowohl das psychologische
Problem seines Akteurs als auch die Flaute in der Handlung zu lösen: Eine Zeitschleife,
verursacht durch unvorsichtiges Herumexperimentieren einiger Forscher. Vergleichbar mit
einer Schallplatte hat der normale Zeitablauf im Universum sozusagen einen Kratzer
bekommen und hängt nun fest, dazu verurteilt, immer und immer wieder die letzten dreißig
Jahre zu wiederholen. Die an Vernesche Phantasien erinnernde Apparatur der Wissenschaftler
wie auch der Kunstgriff des Autors, das Paradoxon wieder aufzuheben, sind reichlich an den
Haaren herbeigezogen, aber verglichen mit der ansonsten recht trockenen Handlung
nachgerade erfrischend unkonventionell. Der Trick ermöglicht es ihm gleichfalls, ohne
einen Bruch in der Handlung zu verursachen, einfach mittendrin wieder von vorn anzufangen
und schon bekannte Textpassagen - leicht modifiziert - mehrfach zu verwerten. Zeitlos
im Teufelskreis ist ein gutgemeintes Buch, das, aufs wesentliche gekürzt, durchaus
noch eine passable Erzählung abgegeben hätte. Die reichhaltige Verwendung klassischer
Bonmots, eine gewisse Altbackenheit, Weitschweifigkeit und die Neigung, eben Gesagtes zur
Bekräftigung noch einmal zu wiederholen, lassen es aber sehr zum Bedauern des Rezensenten
letztlich zu einer Art in Prosa gefaßter Zitatensammlung mit Lindenstraßen-Happy-End
verflachen.
Fred Siebert ALIEN CONTACT
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