ALIEN CONTACT

Alexander Kröger

Das zweite Leben

Originalausgabe • 1998

Science Fiction > Alien Contact
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Helen Miller hätte besser daran getan, sich genau das Kleingedruckte in dem Vertrag mit der Zweitlebensvereinigung durchzulesen, ehe sie ihn leichtfertig unterschrieb. Doch derlei Überlegungen sind müßig, als sie nach dreihundert Jahren Tiefschlaf in ihrer Anabiosekammer erwacht. Die Zukunft ist leider nicht so, wie sie sich manche Enthusiasten unserer Tage vorstellen: Die Zukunft Helens und der sechs anderen Schläfer, die das Abenteuer lebend überstanden haben, ist ein altes Kalibergwerk mit verschütteten Ausgängen. Eine tödliche Falle, wenn es ihnen nicht gelingt, die morschen Stollen zu verlassen, bevor diese endgültig einstürzen oder ihre knappen Vorräte zu Ende gehen, die die unbekannten Techniker zurückgelassen haben. Noch bevor der Roman sich der interessanten Frage des weiteren Schicksals der kleinen Gruppe zuwenden kann, läßt sich der Autor viel Zeit bei der Charakterisierung der handelnden Personen und der Beschreibung von deren unterirdischer Welt. Dabei geht der Ingenieur etwas mit ihm durch, auch erstarren Stil und Tempo in dieser Kennlernphase mit den Protagonisten.

Sie stammen aus verschiedenen Zeiten und für ihre Zeitreise bewogen sie auch unterschiedliche Gründe. Von der vom Leben enttäuschten Selbstmörderin, neugierigen Abenteurern und Idealisten bis hin zu einem kleinen Gauner mit dunkler Vergangenheit findet sich alles? Letztlich müssen sie trotz aller Differenzen miteinander klar kommen und Zusammenarbeiten, wenn sie jemals wieder das Tageslicht erblicken wollen. Hat das Buch erst 'Fahrt aufgenommen', wird die Lektüre flüssiger und die bergmännischen Fachkenntnisse Alexander Krögers fügen sich harmonisch in die Handlung ein. Neben der eigentlichen Story, der Suche nach dem Ausgang, nach dem »Zweiten Leben«, flicht der Autor noch Nebenstränge ein. So etwa die keinesfalls immer harmonischen Beziehungen, die sich zwangsläufig in einer kleinen isolierten Gemeinschaft entwickeln. Oder aber die Entdeckung eines Labors, in dem Menschen geklont wurden. Das Thema bleibt leider im Ansatz stecken, es wird weder deutlich, welchem Zweck diese Experimente letztlich dienten, noch welche Rolle der oder die Klone in der Gruppe spielen.

In Das zweite Leben finden viele Zukunftsentwürfe nebeneinander Platz und in dieser Vielfalt der Ideen ist der Showdown keinesfalls vorhersehbar. Es ist ein Buch der Überraschungen und plötzlichen Wendungen und wer den Fehler begeht, aus Ungeduld oder Neugier die letzten Seiten zuerst zu lesen, bringt sich um das ganze Lesevergnügen. Wer den Roman mit wachem Auge liest, wird manche Gestalt aus früheren Werken Alexander Krögers wiederfinden, wenn auch Namen und Hintergründe andere sind.

Siegfried BreuerALIEN CONTACT

Alexander Kröger
Das zweite Leben (Cottbus: Kröger Vertrieb, 1998) Bestellen
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