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Rolf
Krohn ist und bleibt einer der produktivsten deutschsprachigen Phantastikautoren und
beweist mit seinem neuesten Erzählungsband Am Tor der Zeit einmal mehr seine
Meisterschaft. Dabei hat das Buch einen langen Vorlauf, denn die Idee dazu entstand
bereits Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts, 2000 hätte es faktisch in Druck
gehen können. So ist es kein Zufall, dass Am Tor der Zeit sich in Originalität
und Stimmung an dem 1985 erschienenen Band Begegnung im Nebel messen lassen kann.
Hier wie dort gibt es eine Dreiteilung der Themenschwergewichte, die der Autor diesmal mit
»Schicksale«, »Entscheidungen« und »Menschen« betitelt.Bei den astronautischen Storys berührt besonders die sehr stimmungsvolle Kurzgeschichte »Abend auf der Omra«, in der ein alter gestrandeter Raumfahrer kurz vor seinem Tod noch eine sehr wichtige Entdeckung macht, wichtig vor allem für die urzeitlichen Bewohner der Omra. Teil zwei »Entscheidungen«, und das hat Tradition, widmet sich der historisierenden Science Fiction, wobei ein Buch ohne Römer bei Rolf Krohn ohnehin kaum vorstellbar wäre. Mit »Die Wahl«, »Die Mission« und »Am Tor der Zeit« sind es gleich drei Geschichten, in denen Römer und Zeitreisende eine Rolle spielen. In »Die Wahl« entdeckt ein von Kaiser Augustus in eine entfernte Provinz verbannter adliger Offizier einen merkwürdigen Schacht, der ihm nicht nur die Flucht von seinem Verbannungsort ermöglicht, sondern auch völlig neue Einsichten über alle Standesdünkel hinweg. »Die Mission« führt wieder einmal an den Vesuv, kurz vor dem Ausbruch des Vulkans 79 n. Chr. Hier kreuzen sich sogar drei alternative Zeitlinien, und der Autor wartet außerdem mit einer neuen Theorie über die Umstände des Vulkanausbruchs auf. Die Titelgeschichte »Am Tor der Zeit« führt schließlich ins Britannien des 2. Jahrhunderts. Die 9. Legion und ein Regiment von berittenen Hilfstruppen (Ala) stoßen bei der Niederschlagung eines Aufstandes der Kelten auf ein vermeintliches Druiden-Heiligtum. Julius Alauda, Kommandant der Ala, beschließt das Innere des seltsamen Tempels zu erkunden. Eine nicht nur für ihn folgenreiche Entscheidung. Die 9. Legion wurde vom Autor nicht zufällig gewählt, denn sie gilt bis heute als in den britannischen Wäldern verschollen. Wer beim Penta-Con 2001 zu Gast war, wird die Story »Sesa'am« schon kennen. Der vormalige Wesir Omar al Aschtar macht darin auf der Flucht vor den Häschern des neuen Kalifen eine erstaunliche Entdeckung. Die Geschichte ist ein Feuerwerk des hintergründigen schwarzen Humors und Höhepunkt und Glanzstück des Bandes. »Blaues Licht« erschien bereits in ALIEN CONTACT, eine unheimliche Detektivgeschichte, die Krohn Sherlock Holmes und Dr. Watson auf den Leib schrieb und an deren Originalität auch Sir Arthur Conan Doyle sicherlich keinen Anstoß hätte nehmen können. Holmes ist auf der Spur einer magischen Maschine, aber Krohn wäre nicht er selbst, wenn nicht auch ein paar Römer (hier ein Tempel aus dem alten Fulviacum) vorkämen. Die den Band abschließende Story »Sehnsucht« entstand erst 2001 und wurde von Rolf Krohn nachträglich in das Buch eingefügt. Es ist eine Gespenstergeschichte, die an das Schicksal der Sängerin Alexandra anknüpft, die einst im Niemandsland vor der Berliner Mauer, wo auf dem alten Potsdamer Platz ein einsames Haus stand, ein bekanntes Lied aufnahm. Die Atmosphäre jenes Tages flicht der Autor in die Sehnsucht eines Mannes ein, der als stoffloser Geist ruhelos umherwandeln muss, bis er sich von einer zu Lebzeiten begangenen Schuld rehabilitieren kann. Am Tor der Zeit bietet dem Leser so manches Wiedersehen mit vertrauten Krohn'schen Themen und Figuren. Trotz und gerade wegen solcher Deja-vus ist es ein sehr unterhaltsamer, sehr farbenfroher und irgendwie auch optimistischer Erzählungsband, den man bedenkenlos weiterempfehlen kann. Fred Siebert ALIEN CONTACT |
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