ALIEN CONTACT

Rolf Krohn

Schatten über der Saale

2000

Science Fiction > Alien Contact
Buch-Tips
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Rolf Krohns neuer Erzählungsband kommt unscheinbar daher, mit einem Cover in den Farben Schwarz und Rot und einem Titel, der wenig Assoziationen aufkommen läßt. Der ursprüngliche Arbeitstitel Der schwarze Tempel hätte andere Anregungen für die Phantasie des Lesers gegeben, da jedoch das Bundesland Sachsen-Anhalt und das Regierungspräsidium Halle das Buchprojekt finanziell förderten, lag es nahe, dem auch in der Wahl des Namens Rechnung zu tragen. Krohns Wortmagie ist jedenfalls so überzeugend, wie wir sie von seinen früheren Werken kennen und schätzen, seine Phantasie dagegen ist noch bizarrer geworden. Auffallend ist der häufige Bezug auf die Wurzeln des Autors in der DDR, wobei diese nicht nur angedeutet, sondern bewußt zitiert werden. Elf Jahre nach jenem Ereignis, das in der Geschichte unter dem Terminus »Wende« verewigt ist, scheint die DDR noch immer umzugehen wie eine Untote, die keine Ruhe und erst recht keine Erlösung findet - ganz wie das Gespenst aus dem Kerker der Moritzburg, dem Krohn eine Hauptrolle in einer der Storys des Bandes gibt. Manchmal ist der Bezug der Geschichten zum anhaltinischen Raum sehr locker, etwa ein verstaubtes Pergament in einem Hallenser Archiv oder die Verlegung der Handlung auf die Burg Giebichenstein. Dies sind eher kosmetische Anpassungen an den Titel des Bandes und mindern die Qualität der Erzählungen nicht.

Rolf Krohn nimmt Abschied von der zeitlichen Gliederung seiner Erzählungsbände, die Storys formieren sich nicht mehr akkurat in Gestern, Heute und Morgen, sondern bunt durcheinander - Zeiten spielen ohnehin eine untergeordnete Rolle. Auch dürfte es den Erbsenzählern schwerfallen, diese Storysammlung einem Genre eindeutig zuzuordnen, der Science Fiction schon gar nicht. Am ehesten kann man sich mit dem Autor auf die im Untertitel benannten »Phantastischen Begebenheiten« einigen, und diese sind skurril und farbig geschildert, dabei aber in einem fast lakonischen Stil sachlich und distanziert. Rolf Krohn begegnet sogar seinem alten Selbst, ohne in Sentimentalitäten zu verfallen.

Es ist eine Rezensenten-Gewohnheit geworden, in einer Anthologie oder Collection die Top-Storys herauszusuchen und den Rest des Bandes als Fassung für diese Brillanten zu betrachten. Es mag durchaus solche Bände geben, Schatten über der Saale gehört jedoch eindeutig nicht dazu. Zu vielschichtig sind die Geschichten, zuviel läßt sich hineinlesen oder -denken. Es wäre eine Verschwendung, das Buch einfach so durchzuschnurpsen, denn die Storys lassen sich einzeln viel besser würdigen. Zum Lesegenuß gehört Muße, und was wäre für kalte, dunkle Winterabende besser geeignet als ein gutes Buch? Zumindest ist es die bessere Alternative zur Glotze.

Siegfried BreuerALIEN CONTACT

Rolf Krohn
Schatten über der Saale (Halle: Heiko Richter Verlag, 2000)
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