| Die Linguistin Sutty,
aufgewachsen auf der Erde, wird von der Ökumene der Welten als Beobachterin auf den
Planeten Aka entsandt. Dort herrscht eine absurd fortschrittsgläubige Bürokratie, die
technologische Geschenke annimmt und ihre eigene Geschichte vernichtet. Doch weitab der
Hauptstadt entdeckt Sutty im Bergland Reste der alten Kultur, die versteckt von einer
Kaste von Erzählern durch mündliche Überlieferung am Leben erhalten wird. Dieser
Roman von Ursula K. Le Guin ist wie auch Die linke Hand der Dunkelheit (alias Winterplanet)
und Planet der Habenichtse im Hainish-Universum angesiedelt. Die Autorin arbeitet
wie in diesen Büchern mit einer streitbaren Dialektik: Zwei nahezu unvereinbare
Gesellschaftsmodelle werden vorgetragen; Reisen verlaufen grundsätzlich im Kreis; wichtig
sind Verstehen, Zusammenschluß, notfalls nur Kommunikation. Deshalb sollte der Leser sich
nicht vom harschen Einstieg irritieren lassen. Je weiter sich Sutty im Verlauf der Reise
vom Zentrum entfernt, desto mehr erfährt sie über eine faszinierende untergründige
Erzählerkultur, die natürlich konservativ ist und Unmengen Hokuspokus in sich
aufgenommen hat. Aber sie wertet nicht und trennt nicht. »Das akanische System ist eine
spirituelle Disziplin mit spirituellen Zielen, aber es sind exakt dieselben Ziele für
körperliches und geistiges Wohlbefinden. Richtiges Handeln ist Selbstzweck«, wie Sutty
ihrem Noter diktiert.
Die Autorin beschreibt diese alternative Homöostasis wie auch den Weg ins Gebirge zur
letzten geheimen Bibliothek mit viel Liebe zum Detail und gewohnt souveränen
Worterfindungen. Letztlich erweisen sich ein erbitterter Widersacher als verständlich und
gebrochen und Wissensgeschenke von der Ökumene als Problem. Ursula K. Le Guin erzählt
brillant davon, daß wir nur mit Worten der Welt einen Sinn geben können.
Uwe Salzbrenner ALIEN CONTACT
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