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| Wenn es einen Klassiker gibt,
der neben Tolkiens
Der Herr der Ringe stehen kann, dann ist es Ursula K. Le Guins Erdsee-Zyklus.
Im englischsprachigen Raum erschien er in einer Kinderbuchreihe und wurde mit mehreren
Preisen ausgezeichnet. Mitte der siebziger Jahre veröffentlichte Heyne die damalige
Trilogie in ihrer SF/F-Reihe. Der Magier der Erdsee und seine Nachfolger ragten
auffallend aus dem Wust der damaligen Sword&Sorcery-Romane heraus. Le Guin verzauberte
die Leser mit einer poetischen und doch leicht zu verstehenden Sprache und Struktur und
einem faszinierenden Magiesystem, das noch heute seinesgleichen sucht: Den wahren Namen
eines Wesens oder eines Gegenstandes zu erfahren bedeutet, Macht über den Betreffenden zu
gewinnen. Die Helden, allen voran Ged, der spätere Erzmagier, waren Menschen mit Stärken
und Schwächen, keine Superhelden, die alle Gefahren vertreiben konnten, sondern auch
einmal über ihre eigenen Ansprüche stolperten. Der nachgeschobene vierte Band des Zyklus, Tehanu, fiel dagegen ab, weil er in einer Zeit entstand, in der jeder Erfolg fortgesetzt wurde. Aber mit der Collection Das Vermächtnis von Erdsee hat Le Guin bewiesen, daß sie auch nach mehr als 20 Jahren den Zauber der ersten Bücher aus der Welt Geds und seiner Freunde wiedererwecken kann. Ein bunter Reigen von Geschichten entführt in die Vergangenheit und Zukunft der Erdsee. »Der Finder« erzählt etwa von der Gründung der Magierschule von Rok, die die Schreckensherrschaft der unabhängigen Zauberer und Piraten über die Erdsee beendete, während »Schattenrose und Diamant« eine bittersüße Liebesgeschichte ist. »Die Gebeine der Erde« sind der Schlüssel zu einer Lektion für den jungen Ged, während »Im Hochmoor« von der Läuterung eines Feindes des Erzmagiers erzählt. »Schwebender Drache« entführt in die Zukunft der Erdsee, in der die Drachen, die sich bisher an den Rand der Inseln zurückgezogen haben, wieder eine größere Rolle spielen werden. Ergänzt wird das alles durch einen kleinen Überblick über die Länder und Völker der Erdsee, der von der Autorin selber geschrieben wurde. Diese Sammlung kann jedem Liebhaber episch magischer Fantasy - auch jenen, die Erdsee noch nicht kennen - uneingeschränkt empfohlen werden. Christel Scheja ALIEN CONTACT |
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