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| Die Entstehung des Papiers und der darauf gedruckten zeitgenössischen
Literatur weisen oft interessante Parallelen auf: Wie sich auf dem Papiersieb die meisten
Fasern in Laufrichtung orientieren, so folgen die Autoren den modernen Trends. Im
phantastischen Genre sind das zur Zeit leider Verquickungen sogenannter Mystery-Gruseleien
mit klassischen Science-Fiction- und Fantasythemen. Bettina Licht macht da keine
Ausnahme. Auch sie mixt in den vier Stories des Bändchens so manchen unbekömmlichen
Cocktail. Es hätte indes der besonderen Erwähnung (fast schon einer Entschuldigung) in
ihrem Vorwort nicht bedurft, daß sie - als Autorin - die Hauptrollen lieber mit
Frauen besetzt, da das ohnehin allein in ihrem Ermessen liegt. Die Abschaffung des
Patriarchats hat in Deutschland bereits einige Fortschritte gemacht. Frauenthemen bestimmen auch die Geschichten. Die Wärterin einer Organtierfarm fühlt sich durch die testosterongesteuerte Aggressivität eines jener Halbtiere bedroht. Die »Braunies«, eine Mischung aus Schwein und Mensch, werden gezüchtet, um wohlhabende Patienten mit neuen Lebern, Nieren oder Herzen zu versorgen. Das Paul genannte Braunie unterscheidet sich jedoch erheblich von den sonst handzahmen Kreaturen; als Hodenspender entwickelt es ungeahnte Energie. »Die Mission« lebt vor allem vom dystopischen Moment. Eine Einwegastronautin lebt darin nur für den Hinweg zum benachbarten Sonnensystem Alpha Centauri. Rechtzeitig leitet sie unterwegs selbst eine Schwangerschaft ein, damit ihre Tochter dereinst die Trabanten der fremden Sonne erkunden kann. Deren Kind soll dann wiederum mit den Ergebnissen zur Erde zurückkehren. Sie selbst scheidet freiwillig aus dem Leben, sobald ihre Tochter in »Die Mission« eingewiesen ist. Ein inhumaner Gedanke, den die Autorin aber nicht in Frage stellt. Stattdessen wird ihre fiktive Tocher nach einer Art Initiation in die Gemeinschaft der Frauen auf dem fremden Himmelkörper aufgenommen. Sie verschmilzt geistig mit den geheimnisvollen insektenartigen Aliens des Alpha-Mondes. Eine weitere unkommentierte Anti-Utopie stellt die Story »Ein gelungenes Kind« dar. In der Zukunft ist es verpönt, Kinder auf die herkömmliche animalische Weise zu erzeugen, vielmehr klont man sich selbst. Das garantiert die völlige Zufriedenheit mit dem Sprößling, denn schließlich ist der Mensch die Krone der Schöpfung und man selbst das strahlendste Juwel darin. Freilich sollte man die moralische Reife mitbringen, das Kind dann auch als eigenständiges Wesen zu sehen und nicht als Abspaltung seiner selbst, die man nur noch programmieren muß. Der Protagonistin gelingt dies nicht. Aber die von Bettina Licht dargestellte Gesellschaft ist ohnehin derart krank, daß nur ein guter Chirurg sie von ihrem Krebsleiden heilen könnte. »Geheime Zeichen« spielt auf die eventuell vorhandene, aber andersgeartete Intelligenz von Delphinen an. Ein Thema, das im Gegensatz zu Erbseneintopf aufgewärmt nicht besser schmeckt. In einem einsamen Institut am Meer sitzt ein frustrierter Forscher, hadert mit seinem Schicksal, weil er von anderen Akademikern nicht gebührend anerkannt wird, und versucht vergebens, das Geheimnis kretischer Schrifttafeln zu entschlüsseln. Einzig der Kontakt mit einem Delphin verhilft ihm zur Lösung des Rätsels. Wenn der Wissenschaftler fair wäre, müßte er den Ruhm mit Flipper teilen. Das Buchprogramm des Ernst Probst Verlages liest sich sehr aufschlußreich, verlegt werden vor allem Titel von Ernst Probst, Doris Probst und Sonja Probst. Die Geschichten aus der Zukunft fallen da schon aus dem Rahmen. Bettina Licht, von Hause aus Pädagogin, hat ihre zahlreichen Interessen (Insektenstaaten, Astrologie etc.) und beruflichen Erfahrungen in ihre Geschichten einfließen lassen. Man merkt den Texten die Mühe an, die sie investiert hat. Dennoch vermag sich die rechte Lesefreude nicht einzustellen. Immerhin gibt die Autorin kontroverse Denkanstöße und schwimmt nicht nur auf der beliebten Fantasywelle mit. Große Schrift und festes Papier geben dem Band zudem das Aussehen eines Buches. Die Geschichten aus der Zukunft sind ein schriftstellerischer Anfang. Mehr kann, mehr darf man von einem solchen Debüt auch nicht erwarten. Ob das aber dem Leser das Geld wert ist? Ein bescheideneres Druckwerk für die Hälfte hätte es sicher auch getan. W. Pankow ALIEN CONTACT |
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