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Thomas Ligotti

Das Alptraum-Netzwerk

My Work Is Not Yet Done • 2002

Science Fiction > Alien Contact
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Das Alptraum-Netzwerk vereint drei Erzählungen, die in der Welt moderner Wirtschaftsunternehmen spielen und den alltäglichen Büro-Horror auf die bekannte makaber-bizarre Ligottische Spitze treiben. Den Hauptteil des Buches macht mit über 100 Seiten die Novelle »Meine Arbeit ist noch nicht erledigt« aus, in welcher der Ich-Erzähler zunächst von seinen Arbeitskollegen sowie von seinem Haß auf diese berichtet, schließlich ein Komplott gegen sich vermutet, und auf höchst merkwürdige Art und Weise zum Racheengel wird. Zu einer Art Geistwesen geworden nimmt er den Kampf gegen das eigentlich Böse auf, das den Geist der Firma ausmacht. Hervorragend wird die anfängliche Paranoia des zunächst völlig durchschnittlichen Angestellten Frank Dominio geschildert, der sich scheinbar (aber natürlich nur scheinbar!) in eine krankhafte Situation verrennt. Dass seine Ängste und sein gewalttätiges Vorgehen gerechtfertigt sind, wird jedoch schnell deutlich.

Damit komme ich allerdings auch auf einen Kritikpunkt: Im realen Leben hat der kleine Angestellte eher Ähnlichkeit mit einer Figur Kafkas als mit einer Figur Ligottis, was aber nicht daran liegt, dass Ligottis Grauen einfach anders gelagert ist, sondern daran, dass Kafka es besser auf den Punkt zu bringen verstand, was den wahren Horror ausmacht - nämlich gegen etwas ankämpfen zu müssen, das man nie durchschauen kann und gegen das man unbedingt scheitern muss. Dennoch ist »Meine Arbeit ist noch nicht erledigt« eine sehr spannende, düstere und psychologisch ausgefeilte Geschichte, die den Leser schnell in ihren Bann zu ziehen vermag.

Im Vergleich fallen die beiden kürzeren Stories stark ab. In »Ich habe einen speziellen Plan für diese Welt« berichtet ein Angestellter der Blaine Company von mysteriösen Todesfällen, die wohl etwas mit der bösartigen Atmosphäre sowohl der Stadt als auch der Firma selbst zu tun haben, in der diese angesiedelt ist. Ebenso mysteriös wie die Morde und anderen Vorfälle sind die Metaphern, die hier benutzt werden: So wird am Anfang beschrieben, wie die Angestellten im Büro aufgrund der nebulösen Atmosphäre ständig ineinander hineinrennen - die Darsteller in einem Slapstickfilm könnten es nicht besser. Um gerecht zu sein: Ligotti schreibt auch hier ausgefeilt und versteht es, eine beunruhigende Atmosphäre heraufzubeschwören. Aber derartige Metaphern sind nun einmal nicht gerade originell, und daran kann auch der Ruf als Kultautor, den Ligotti besitzt, nichts ändern.

Die letzte Geschichte, »Das Alptraum-Netzwerk«, erinnert sehr stark an die New Wave-Geschichten von J. G. Ballard. Schlaglichtartig wird hier in einzelnen Szenen, Beschreibungen, Memos, Kleinanzeigen etc. die Realität als riesige, sinnlose und chaotische Firma beschrieben. Schön und gut, aber bis auf die düstere Grundaussage, die einem von Ligotti in all seinen Werken ständig fast schon penetrant aufgedrängt wird, ohne jegliche Relevanz.

Auch wenn Thomas Ligotti seine durchaus positiven, ja herausragenden Seiten hat, halte ich ihn für nicht ganz unbedenklich. Wie in dem durchaus kundigen Nachwort Thomas Wagners beschrieben, empfindet Ligotti die Welt genau so, wie er sie in seinen Geschichten beschreibt: als etwas durch und durch hassenswertes. Und da er dies konsequent in seinen Geschichten durchspielt, wird er schon bald uninteressant, ja langweilig. Für wen schreibt er eigentlich? Wozu tut er dies, wenn schließlich doch alles sinnlos ist? Oder ist das Ganze doch nur eine Show, die den Autor interessant machen soll?

Somit ist Das Alptraum-Netzwerk eine insgesamt eher zwiespältige Angelegenheit, die merkwürdigerweise in einer Reihe erscheint, die Edgar Allan Poe gewidmet ist, mit dem Thomas Ligotti nicht all zu viel gemeinsam hat. Nebenbei stellt sich hier noch die Frage, warum diese Reihe eigentlich den Lovecraft-Büchern im Festa Verlag in diesem übertriebenen Maße ähnlich sehen muss ...

Christian HoffmannALIEN CONTACT

Originalausgabe
Thomas Ligotti, My Work Is Not Yet Done
Deutsche Erstausgabe
Thomas Ligotti, Das Alptraum-Netzwerk
(Windeck: Blitz Verlag, 2003) Bestellen
Deutsch von Monika Angerhuber, Nachwort von Thomas Wagner, Titelbild von Mark Freier, 172 Seiten, Tradepaperback
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Lieferbare Titel von Thomas Ligotti
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