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| »Die Feder entgleitet meinen
knorrigen Fingern und hinterläßt eine geschlängelte Linie auf Fedwrens Papier...« So
beginnt die »Legende vom Weitseher«: Ein einsamer, gramgebeugter Mann erzählt
die Geschichte seines Landes und seines Lebens, eine Geschichte, die er kaum zu Papier
bringen kann, da die Bitterkeit und der Groll ihn stets aufs neue überwältigen. Mit sechs Jahren wird Fitz, der Bastard des Thronfolgers, an die Tore des Hofes gebracht und seinem Onkel übergeben. Als unehelicher Sohn bedeutet er eine große Schande für seinen Vater, den hochmoralischen »König zur Rechten«, der nun auf die Thronfolge verzichtet und den Königshof verläßt. Verachtet wächst Fitz als Stalljunge auf und flüchtet in seiner Einsamkeit in die telepatische Verbindung mit einem Hund: eine Fähigkeit, die als verpönte Volksmagie Erbteil seiner Mutter ist. Doch durch sein Erbe steht er auch dem König nahe und besitzt die Macht, in die Weite zu sehen, über große Entfernungen hinweg Geschehnisse zu erleben und mit Menschen zu sprechen. Der König erkennt in ihm ein nützliches Werkzeug und veranlaßt die Ausbildung des empfindsamen Jungen zum Assassinen, zum Meuchelmörder. Denn das Reich wird nicht nur von grausamen Feinden bedroht, auch die Intrigen am Königshof, der Kampf um die Thronfolge bringen es dem Untergang näher. Die spannende Geschichte, die Robin Hobb (ein Pseudonym der Autorin Megan Lindholm) erzählt, unterscheidet sich auf den ersten Blick wenig von genreüblichen Handlungsmustern - es ist die Art wie sie erzählt, die diese Trilogie deutlich von fast allen anderen Fantasy-Romanen der neueren Zeit abhebt. Die düstere Einsamkeit, die Verlorenheit des Helden Fitz packt den Leser von der ersten Seite an und läßt ihn von da an nicht mehr los. Zwar geht es um die Rettung eines imaginären Königreiches, aber die verzweifelte Suche nach Freundschaft, nach Liebe, nach Sicherheit und Geborgenheit ist das eigentliche Thema, das das Buch zu einem mitreißenden Leseerlebnis macht. Für die Gattung Fantasy bedeutet es einen erfreulichen Schritt hin zu einer erwachseneren, differenzierteren Ausdrucksform - vergleichbar etwa mit Die Herren von Winterfell von George R. R. Martin. Birgit Will ALIEN CONTACT 37 |
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