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| Science
Fiction Buch-Tips |
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| Die Heilerin Tillu, die mit ihrem Sohn Kerlew von Stamm zu Stamm
reist, um Kranke zu behandeln, flieht vor dem Schamanen Carp, der Kerlew zu seinem
Lehrling machen will. Bei der Jagd auf ein wildes Rentier kommt sie zwei fremden Jägern
in die Quere, und einer von beiden wird durch einen Pfeil verletzt. Obwohl Heckram davon
ausgeht, daß die Frau seinen Freund Lasse angeschossen hat, läßt er zu, daß sie ihn
heilt. Nur zögernd freundet sie sich mit dem Rentiervolk an, das in der Nähe seine Zelte
aufgeschlagen hat. Denn sie weiß, daß die meisten Menschen Schwierigkeiten haben, ihren
ungewöhnlichen Sohn zu akzeptieren. Kerlew ist für das praktische Leben untauglich, und
wenn er eine simple Aufgabe wie das Sammeln von Feuerholz erledigen soll, kann es
geschehen, daß er sie irgendwann vergißt und stundenlang einen ungewöhnlichen Stein
betrachtet. Obwohl sich eine gewisse Sympathie zwischen Tillu und Heckram entwickelt,
heiratet Heckram schließlich seine Jugendliebe Elsa. Kurz danach kommt es zu einem
tragischen Zwischenfall, als Elsa nachts beim Wasserholen das Opfer eines brutalen
Angriffs wird. Ihre Verletzungen sind so schwer, daß Tillu ihr nicht mehr helfen kann.
Der Stamm akzeptiert den Tod der jungen Frau stillschweigend als Folge eines Unfall, doch
viele vermuten heimlich, daß Tillu sie aus Eifersucht getötet hat. Vor allem Joboam, der
ehrgeizige Sohn des alten Stammesführers Capiam, versucht den Willen der selbständigen
Frau zu brechen. Und dann trifft der Schamane Carp ein, der ständig Tillus Spur verfolgt
hat, um seinen Anspruch auf Kerlew zu behaupten und das Rentiervolk seiner Kontrolle zu
unterwerfen. Im zweiten Band erreicht der Stamm auf seiner Wanderung zum Sommerlager den Seite, einen großen, heiligen Felsen mitten in der Tundra. Carp und Joboam spinnen weiter ihre Machtintrigen, Kerlew entfremdet sich immer mehr von Tillu, als er den Weg des Schamanen beschreitet, die junge Kari sucht Hilfe bei Tillu, weil sie nicht mit dem verhaßten Pirtsi verheiratet werden will. Nur Heckram ist zu einem zuverlässigen Freund der Heilerin geworden. Schließlich kommt es zum Kampf zwischen Heckram und Joboam, worauf der junge Kerlew mit detektivischem Spürsinn alle ungeklärten Todesfälle und Rätsel der letzten Zeit aufklären kann. Damit ist endlich auch der Weg zur glücklichen Vereinigung von Tillu und Heckram frei. Dieser zweibändige Roman der amerikanischen Autorin Megan Lindholm - die später unter dem Pseudonym Robin Hobb eine zweite Schriftstellerkarriere begann - spielt im vorzeitlichen Sibirien und zeichnet sich durch eine melancholische, fast schon depressive Stimmung aus. In der kargen Tundra entfaltet sich eine komplexe Geschichte um das Streben nach Liebe und Macht, um Eifersucht, Intrigen und Mißverständnissen. Das Grundthema des Romans ist das schwierige Verhältnis zwischen der Heilerin Tillu und ihrem Sohn Kerlew. Die Mutter muß in einem langwierigen Prozeß lernen, daß ihr Kind nicht ihren Vorstellungen entspricht, sondern sein eigenes Leben verwirklichen will. Sie kann Kerlews Besonderheiten nicht akzeptieren, sondern behandelt ihn wie ein geistig zurückgebliebenes Kind. Zusätzlich kompliziert wird die Situation, weil sie sich bemüht, Kerlew dem schädlichen Einfluß des bösen Carp zu entziehen. Doch während Kerlew sich aus eigener Kraft zum Schamanen entwickelt, zeigt sich, daß seine Schwäche, der Hang zur Träumerei, in Wahrheit seine Stärke ist, weil er hinter die Oberfläche der Dinge blicken kann. Mit Das Rentiervolk und Wolfsbruder hat Megan Lindholm, die zeitweise in Alaska lebte, einen sehr bewegenden Roman geschrieben, der aufgrund seiner inhaltlichen Geschlossenheit problemlos in einem Band hätte veröffentlicht werden können. Zur ergänzenden Lektüre sei Die Stunde des Fauns (Cloven Hooves 1991) empfohlen, in dem die Autorin einige der angesprochenen Motive vor einem völlig anderen Hintergrund erneut aufgegriffen hat. |
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