ALIEN CONTACT
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Ken MacLeod

Die Mars-Stadt

The Stone Canal • 1996

Science Fiction > Alien Contact
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Zunächst eine Warnung an alle Mars-Fans: Der Roman spielt zu keinem Zeitpunkt auf unserem roten Nachbarn, sondern auf dem »Neuen Mars«, einem marsähnlichen Planeten in einem anderen Sonnensystem. Mit dem irreführenden Titel nebst einem Zitat von Kim Stanley Robinson auf dem Umschlagtext versucht der Verlag offenbar, an den langsam verebbenden Boom von Büchern anzuknüpfen, die den roten Planeten zum Thema haben.

Ein Mann erwacht mit der Erinnerung an seinen Tod. Gestorben ist er auf der Erde am Ende des 21. Jahrhunderts. Von da an setzt sich die Handlung in zwei Zeitlinien fort: In der ersten wird die Geschichte von der Vergangenheit bis zur Gegenwart erzählt, in der zweiten erfährt man vom weiteren Schicksal des Helden. Zum Zeitpunkt seiner künstlichen Wiedergeburt befindet er sich auf dem besagten »Neuen Mars« in einer sehr fernen Zukunft. Eines der Hauptthemen des Romans ist die Möglichkeit, das Bewusstsein eines Menschen upzuloaden und beispielsweise in einem Roboter, einem Raumschiff oder einem Klon unterzubringen. Letzteres ist unserem Helden widerfahren.

Im Grunde handelt es sich durch beide Zeitlinien hindurch um die Geschichte der Hassliebe zweier Männer, die dieselbe Frau lieben, und der Probleme, die sich daraus ergeben. David Reid, der Gegenspieler des Protagonisten, verfolgt das wahnwitzige Projekt, durch ein Wurmloch in einem fernen Sonnensystem eine neue Zivilisation entstehen zu lassen, Jonathan Wilde möchte das Paradies lieber auf Erden errichten. Während Jonathan Wilde am Ende scheitert und getötet wird, gelingt es David Reid, seinen Plan in die Tat umzusetzen und sich zum mächtigsten und reichsten Mann auf dem neuen Planeten aufzuschwingen. Der wiedererweckte Jonathan Wilde soll offenbar den Kampf mit diesem Despoten aufnehmen.

In der Gesamtschau, die der durchhaltestarke Leser leider erst am Schluss des Romans gewinnt, macht die Story einen ziemlich schwachsinnigen Eindruck. Viele Fragen, insbesondere die nach den Motiven der Protagonisten, bleiben am Ende ungeklärt, worüber auch ein Happy End for Everybody nicht hinwegzutrösten vermag.

Das vorliegende Buch ist der zweite Band einer Reihe von lose zusammenhängenden Romanen. Ihre Handlung erinnert angesichts der Monstrosität der Technologien und der buchstäblich astronomischen Zeiträume an den Xeelee-Zyklus von Stephen Baxter, kommt allerdings bisher ohne Aliens aus. Anders als Baxter bleibt MacLeod jedoch viel zu vage, was das Innenleben seiner Protagonisten betrifft, und behilft sich statt dessen lieber mit gängigen Klischees. Diese Nachlässigkeit geht auf Kosten der Plausibilität und führt am Ende zur Enttäuschung bei der Auflösung des zentralen Spannungsbogens. Alles in allem fühlt man sich nicht nur vom Verlag, sondern auch vom Autor geneppt. Schade um die Zeit, in der man ein besseres Buch hätte lesen können.

• Peter Samol

Originalausgabe:
Ken MacLeod, The Stone Canal
(London: Legend, 1996)
Lieferbare engl. Ausgabe:
Ken MacLeod, The Stone Canal
(London: Orbit, 2000)
Dt. Erstausgabe:
Ken MacLeod, Die Mars-Stadt
(München: Heyne, 2002) [06/6384] Bestellen
deutsch von Norbert Stöbe, Titelbild von Chris Moore, 478 Seiten
Leser-Service:
Lieferbare Titel von Ken MacLeod
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