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Michael Marrak

Morphogenesis

Originalausgabe • 2005

Science Fiction > Alien Contact
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Dieser Roman beginnt wie ein Archäologie-Thriller und ist doch eines der gewagtesten phantastischen Werke der deutschen Literatur – Vision und Wahnsinn zugleich, ein Buch wie ein Rausch.

Hippolyt Krispin entdeckt bei Ausgrabungen in der Libyschen Wüste ein Objekt, das es eigentlich nicht geben kann: eine sechsseitige Pyramide. Der Forscherdrang lässt ihn nicht ruhen, bevor die Grabkammer geöffnet wird, doch dabei kommt einer von Krispins Männern auf grauenhafte Weise zu Tode. Krispin wird die Lizenz entzogen, weitere Untersuchungen an dem geheimnisvollen Ort zu unternehmen. Lediglich ein Artefakt kann Krispin sicherstellen, und zwar einen Goldreif in Form einer Schlange.

In Kairo angelangt begegnet der Archäologe einer wunderschönen Frau, die ihm ein Versprechen abnimmt; schließlich bringt ihn ein Flugzeug nicht an das erwartete Ziel, sondern an einen Ort, der viele Überraschungen für ihn bereit hält. Erst nach und nach wird ihm klar, dass er sich in Duat befindet, dem Totenreich der alten Ägypter. Und doch ist es nicht so, wie man es sich aus den alten Überlieferungen vorstellt. Eine lange und qualvolle Reise beginnt für den Helden des Romans, der angesichts der Höllenschrecken keineswegs immer heldenhaft agiert.

Nach dem ersten Teil des Romans wechselt der Leser gemeinsam mit dem Protagonisten in eine surreale Welt der Hölle, wie sie noch nie beschrieben worden ist. Zwar gibt es in der phantastischen Literatur bereits einige Werke, die im Totenreich spielen, wie zum Beispiel der preisgekrönte Roman Die Flußwelt der Zeit von Philip José Farmer oder Robert Silverbergs Das Land der Lebenden, doch dabei handelt es sich eher um unterhaltsame Abenteuergeschichten. Selbst der Roman Das zweite Inferno von Larry Niven und Jerry Pournelle nimmt sich neben Morphogenesis harmlos aus. Wie bereits in seinen früheren Romanen hat Marrak viel recherchiert und verknüpft mythologische Elemente unterschiedlichen Ursprungs miteinander, ohne auf Schockszenen zu verzichten. Dabei hat er auf bereits vorhandenes Material zurückgegriffen, denn Morphogenesis basiert auf dem bereits 1997 in der edition mono erschienenen Roman Die Stadt der Klage. Laut eigener Aussage musste sich der Autor damals kürzer fassen und den eigentlich geplanten Text zusammenstreichen bzw. beim Schreiben raffen, weil der Kleinverlag kein allzu umfangreiches Buch produzieren konnte. Viele Elemente hat Marrak nun übernommen, anderes jedoch umgeschrieben oder gänzlich neu aufgebaut. Morphogenesis enthält rund 250 zusätzliche Manuskriptseiten, doch das Buch ist nicht einfach nur länger als Die Stadt der Klage. Marrak hat in den dazwischen liegenden sieben Jahren als Autor vieles hinzugelernt.

Aber was für ein Buch ist Morphogenesis? Dass es sich nicht um einen Archäologie-Thriller handelt, merkt der Leser schnell. Ein Horror-Roman ist es ebenfalls nicht, auch wenn Marrak Horrormotive aufgreift und den Leser in äußerst drastischen Szenen das Fürchten lehrt. Auf dem Buchrücken findet man das Kürzel SF, und tatsächlich gibt es am Ende eine Science-Fiction-Auflösung der Schrecknisse, die manchen SF-Leser vielleicht nicht befriedigen wird.

Michael Marrak hat es geschafft, eine ganz eigene Stimme zu finden. Während seine frühen, in Kleinverlagen publizierten Bücher noch sehr verspielt waren, ist er inzwischen zu einem ernstzunehmenden Romanautor herangereift, von dessen Büchern man sich nicht nur unterhalten lassen kann, sondern die auch zum Nachdenken herausfordern.

• Howdy Kettlitz

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Originalausgabe
Michael Marrak: Morphogenesis
(Bergisch-Gladbach: Bastei Lübbe, 2005) [BLSF 24339] Bestellen
Titelbild von Michael Whelan, Taschenbuch, 688 Seiten
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