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George R. R. Martin

Die Flamme erlischt

Dying of the Light • 1977

Science Fiction > Alien Contact
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»Ein Einzelgänger war diese Welt, ein Wanderer ohne Ziel, von der Schöpfung ausgesetzt und im Stich gelassen.« Gleich der erste Satz verrät viel über das Buch, das man eben aufgeschlagen hat. Kein Krawallschinken billiger Sprache, in dem alle Personen gleich reden und denken - sofern der Autor sie denken lässt. Dies Buch wird Atmosphäre haben, dunkel wird sie sein, und vor diesem Hintergrund wird die Einsamkeit in vielen Farben schimmern. Auch der Titel verspricht Melancholie, weder Action noch Horror.

In der Tat. Denn der Amerikaner George R. R. Martin (Jahrgang 1948) ist keiner wie das Gros in der Branche. »Die Flamme erlischt« (1977 in den USA, 1978 erstmals in Deutschland erschienen) ist sein erster Roman. In Stil, Qualität und manchmal im Umfeld folgt er früheren Erzählungsbänden. Das ist die Geschichte einer Welt nah am Rand der Milchstraße, die kürzlich einen Ring aus sieben Sonnen passiert hat; sie schickt sich an, ins Zwielicht einzuziehen und der Nacht entgegenzufallen.

Vor allem aber ist das die Geschichte einer Liebe; sie zerbrach, soll wieder erstehen und wird betrogen und verraten. In Dirk erlischt etwas, das ihm bislang Halt gab. Doch er tut, was ihm recht erscheint.

Auch die Frau, Gwen, hat mehr verloren als behalten, obwohl sie der Gefahr entkommt. Schatten werden sie und ihren neuen - eigentlich alten - Partner Jaan fortan belasten. Jaan hat einen Blutsbruder und seine Visionen geopfert. Auch sein Glück? Wer weiß.Niemand hat gesiegt, alle sind einsamer als zuvor.

Ist das alles? Müssen 337 Seiten darstellen, was in wenige Zeilen passt?

Oh nein, da sind unvergleichliche Menschenbilder, gute, böse, zwielichtige. Sitten und Gebräuche sind da, uns phantastisch fremd und oft fast vertraut. Sichtweisen werden genannt und stimulieren Fragen und Gedanken. Das Licht der sieben Sonnen bescheint eine höchst farbige Welt, sie wird gemalt voller Details, in Ursachen und Folgen; es fällt schwer, nicht daran zu glauben. Worte müssen sich erst einprägen: betheyn und korariel und Kryne Lamiya. Überhaupt Kryne Lamiya: die singende Stadt der Nacht, deren Lied sagt, dass nichts aufgeht und nichts einen Sinn hat - gewissermaßen der Gipfel aller Einsamkeit. Ein prachtvoller Hintergrund für eine schwere Entscheidung. All das ist schön geschrieben und beschrieben.

Ach ja, geschossen wird auch und gestorben, von Langeweile ist also keine Rede. Wie Dirk sagt: »... Alle von uns haben ein bisschen von dieser Stadt in uns. Es kommt darauf an, wie wir diesem Teil entgegentreten. ...«

Rolf Krohn

Originalausgabe
George R. R. Martin, Dying of the Light (1977)
lieferbare engl. Ausgabe
George R. R. Martin, Dying of the Light
(London: Gollancz, 2000) Bestellen
dt. Erstausgabe
George R. R. Martin, Die Flamme erlischt
(München: Droemer Knaur, 1978)
Neuausgabe
George R. R. Martin, Die Flamme erlischt
(Erkrath: Fantasy Productions, 2003) Bestellen
dt. von Werner Fuchs, Titelbild von Franz Vohwinkel, 337 Seiten, Hardcover
Neuausgabe
George R. R. Martin, Die Flamme erlischt
(München: Blanvalet, 2006) [24318] Bestellen
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