| Ernst Jünger sagte einst, dass in dem Maß, in dem das Leben mit dem Alter
Tiefe und innere Macht gewinnt, es Gold, Schiffe und heitere Ungeheuer mit sich führt.
Den Erzählungsband Moschus No. 1 kann man getrost als ein solches heiteres
Ungeheuer bezeichnen. Gerd Maximovics skurrile Märchen sind voll von Absonderlichkeiten
jedweder Art und würden sich mit Händen und Füßen sträuben, wollte man sie in eine
Genre-Schublade sperren. Wie es Märchen so an sich haben, kann man sie mit Logik nicht
fassen, sie entziehen sich jedem Versuch einer Analyse. Maximovic hat viel von seiner
Lebenserfahrung in dieses Buch einfließen lassen, das sich am ehesten (und doch wieder
nicht) mit Stanislaw Lems
Robotermärchen vergleichen lässt. Der Leser hat die Garantie vieler Stunden
vergnüglicher Lektüre mit den abgedrehten und surrealen Geschichten um die grünen
Aliens im Keller des »Hotels zum Weißen Schwan«, den Erfinder Angelo Tardellini, der
das titelgebende Parfüm »Moschus No. 1« erschafft, oder den vom Pech verfolgten
Dimensionsreisenden Mork. Auch wenn die Zeit dabei wie im Flug vergeht, sollte man nicht
dem Drang nachgeben, den Band in einem Zug auszulesen, die einzelnen Geschichten wirken
für sich viel eindringlicher - so wie ein Kasten Konfekt, auf einmal genossen, zwar für
den Augenblick Befriedigung verschafft, später jedoch mit Bauchschmerzen bezahlt werden
muss. Manche der Storys sind von verhaltenem Wortwitz, andere strotzen nur so vor
Abenteuern und draller Sinnlichkeit, aber jede hat ihre eigene unverwechselbare Würze. Moschus
No. 1 steht für sich wie ein schillernder Exot oder eine seltene Perle, die in kein
Kollier passt. Ein Geheimtipp, den man sich nicht entgehen lassen sollte.
Siegfried Breuer ALIEN CONTACT
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