| Kurze, prägnante und nicht allzu kryptische Texte, die sich wissenschaftlich
und politisch mit Science Fiction
auseinandersetzen, sind Mangelware. Der Reader zum ersten Out-of-this-world-Kongress, der
im Sommer 2000 in Bremen stattfand, fällt allein schon dadurch auf, dass er aus genau
solchen Texten besteht. Die buntgemischte Zusammenstellung akademischer und eher
journalistischer Beiträge ist durchweg leicht zugänglich. Das gemeinsame Thema, auf das
sie verweisen, ist die Frage danach, wie eine Welt aussehen könnte, die der unseren
vorzuziehen wäre - und wie nicht. Der zentrale Beitrag zu dieser Frage stammt von Spehr,
findet sich passgenau in der Mitte des Bandes und ist mit »In einer seltsamen Phase
unseres Lebens« betitelt. Der Text setzt sich unterhaltsam und ausgesprochen kritisch mit
aktuellen utopischen Entwürfen der SF auseinander und ist damit der für SF-Leser
interessanteste Beitrag: leider viel zu kurz streift er Robinsons Mars-Trilogie,
Butlers Genhändler und Weißer Mars
von Aldiss & Penrose.
Eine Fundgrube für Freunde der »etwas anderen SF« bietet daneben Petra Mayerhofers
Artikel über die Geschichte des Tiptree-Awards, der an Romane vergeben wird, die auf
besonders interessante und kritische Art Geschlechterverhältnisse thematisieren. Else Laudan trägt ein
sympathisches und klassenbewusstes Manifest für die SF als »Schundliteratur« bei, Barbara Kirchner und Dietmar Dath äußern sich
erhellend und witzig über kulturwissenschaftliche Methoden, und Kai Kaschinsky schlägt
einen leicht verständlichen und hoch politischen Bogen von Philosophie und Biopolitik zur
SF. Und Erik Simon leicht
ironische Ausführungen zur DDR-SF sind ohnehin immer lesenswert. Natürlich finden sich
in dem Band auch einige Texte, die nur sehr marginal mit SF zu tun haben (aber durchaus
lesenswert und unterhaltsam sind, wie »Das utopische Klo«, wenn auch etwas belehrend,
zeigt). Insgesamt bietet der Band eine kurzweilige, informative und teilweise auch
provokative Lektüre sowie einen guten Einstieg in die Themen »Social Fantasies« und
feministische SF. Zu empfehlen ist er damit all jenen, die sich vielleicht selbst in einer
»seltsamen Phase ihres Lebens« befinden und in der Literatur der Zukunft gerne nach
Gedanken Ausschau halten, die die Gesellschaft der Gegenwart mehr als nur marginal
betreffen. Übrigens: Der Out-of-this-world-Kongress geht im Juni 2003 bereits in die
dritte Runde. Bleibt zu hoffen, dass weitere folgen.
Jakob Schmidt ALIEN CONTACT
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