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Bereits
im Jahr 2000 konnten die Leser den bedeutendsten Schriftsteller Zamoniens kennen lernen:
Hildegunst von Mythenmetz. Damals erschien das Märchen Ensel
und Krete, das nicht nur die Abenteuer von zwei Fhernhachenzwergen erzählte,
sondern auch ein Stück feinster zamonischer Hochliteratur ist und obendrein die
Biographie von Hildegunst von Mythenmetz enthielt. Übersetzt aus dem Zamonischen wurde
das Buch damals von Walter Moers, nur leider hatte das Buch einen sehr großen Nachteil:
Es war viel zu kurz. Doch jetzt hat sich Walter Moers daran gemacht, ein umfangreicheres Werk von Mythenmetz, dem bedeutenden Dichter und Denker der Lindwurmfeste, zu übersetzen und auch wunderbar zu illustrieren. Die Stadt der Träumenden Bücher sind die Jugenderinnerungen des dichtenden Lindwurms, der zur damaligen Zeit erst zarte 77 Jahre alt noch kein einziges Buch veröffentlicht hatte. Die Geschichte beginnt auf der Lindwurmfeste, als Mythenmetz Dichtpate Danzelot von Silbendrechsler stirbt und dem Jungen ein geheimnisvolles Manuskript hinterlässt. Der Inhalt des Textes ist gar nicht so geheimnisvoll, vielmehr ist seine vollendete Form das herausragende. Jeder, der ihn liest, ist überwältigt von der Begabung und Genialität des Verfassers. Nur leider ist dieser unbekannt. Und so macht sich Mythenmetz auf, den unbekannten Dichter des Manuskripts zu suchen. Und wo sucht man in Zamonien nach einem Schriftsteller? Natürlich in Buchhaim, der literarischen Hauptstadt des Landes. In Buchhaim, der Stadt der Träumenden Bücher, dreht sich alles um Literatur. Hier gibt es Schriftsteller, Literaturagenten, Verlage, Buchhändler, Antiquare und allerlei andere Leute, die mit Büchern reich oder berühmt werden wollen. Allerorten finden Lesungen statt, und fast jedes Haus beherbergt eine Buchhandlung oder ein Antiquariat. Hier erfährt Mythenmetz auch erstmals von den gefährlichen Büchern und dass es in den Katakomben unter der Stadt die Bücherjäger gibt, mit denen nicht zu scherzen ist. Der berühmteste Bücherjäger ist Colophonius Regenschein, ein Hundling, der sogar ein Buch über die Katakomben und deren Gefahren verfasst hat. Schließlich gerät Mythenmetz an Phistomefel Smeik, eine Haifischmade, die sich als Antiquar und Schriftkundler vorstellt. Mythenmetz zeigt ihm sein Manuskript mit der unbekannten Herkunft und Smeik verspricht, ihm zu helfen. Stattdessen wird Mythenmetz jedoch vergiftet und in die Katakomben von Buchhaim verschleppt. Und hier beginnt das ganz große Abenteuer: Mythenmetz trifft auf Gefährliche Bücher und Ungeheuer. Die Schrecklichen Buchlinge, eine Zyklopenart, erweisen sich als wesentlich weniger gefährlich, als es ihr Ruf vermuten lässt. Sie werden zu Mythenmetz Freunden und machen ihn mit allerlei Geheimnissen der Literatur vertraut. Doch Gefahren lauern überall, vor allem in Form der Bücherjäger, die Jagd auf ihren berühmten Kollegen Colophonius Regenschein machen. Und schließlich trifft Mythenmetz auf seiner Flucht vor den Bücherjägern sogar auf den legendären Schattenkönig, der ihm hilft, Antworten auf seine Fragen zu finden ... Moers überschäumende Phantasie kamm man in wenigen Worten kaum gerecht werden, und vor allem ist er mit keinem anderen Schriftsteller zu vergleichen - Moers ist einzigartig. Und er wird zumindest bisher von Buch zu Buch besser. Die Stadt der Träumenden Bücher ist nicht etwa eine reine Märchengeschichte, vielmehr ist es ein Buch über Bücher und jede denkbare Form von Literatur, ohne jemals anstrengend oder belehrend zu werden. Im Gegenteil: Wenn die Figuren aus bedeutenden zamonischen Werken zitieren, dann ist es für den Leser meist ein großer Spaß, der noch größer wird, wenn man sich in der außerzamonischen Literatur ein bisschen auskennt. Doch Die Stadt der Träumenden Bücher liest sich nicht nur außerordentlich gut, das Buch ist auch wunderschön gestaltet. Wie man es aus früheren Moers-Romanen kennt, gibt es auch diesmal zahlreiche Illustrationen, die der Autor selbst angefertigt hat. Die sehr gelungene Typographie wird durch Vignetten ergänzt, und die Kapitel sind mit zamonischen Zahlen nummeriert. Die Gestaltung ist so abwechslungsreich und trotzdem edel, dass selbst das Blättern in diesem Buch zu einem Erlebnis wird. Leider ist die Bindung nicht angemessen gut. Moers-Lesern braucht man dieses Buch vermutlich gar nicht erst zu empfehlen, denn sie haben es ganz sicher schon ausgelesen. Wer bisher noch gezögert hat, Zamonien zu besichtigen, der sollte es getrost versuchen, wenn er kein Angsthase ist. Denn wie schreibt Mythenmetz selbst? »Ja, ich rede von einem Ort, wo einen das Lesen in den Wahnsinn treiben kann. Wo Bücher verletzen, vergiften, ja, sogar töten können. Nur wer wirklich bereit ist, für die Lektüre dieses Buches derartige Risiken in Kauf zu nehmen, wer sein Leben aufs Spiel setzen will, um an meiner Geschichte teilzuhaben, der sollte mit folgen. Allen anderen gratuliere ich zu ihren feigen, aber gesunden Entscheidung, zurückzubleiben. Machts gut, ihr Memmen! Ich wünsche euch ein langes und sterbenslangweiliges Dasein und winke euch in diesem Satz Adieu!« |
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