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| Vor Zeiten erschien in einer Kleinstauflage Gerd Freys Erzählungsband Liebe,
Sex und ?, in dessen Titelgeschichte es um Liebe in den Zeiten des Computerzeitalters
ging. Frey erkannte aber noch nicht, was das Fragezeichen bedeutet: nämlich den
Cyberspace. In Helmuth W. Mommers neuem Erzählungsband Sex, Love, Cyberspace
geht es nun allein um das »Eine«: Geschlechtsverkehr (oder vielmehr Erotik in ihrer Form
als sozialisierte Sexualität) findet dereinst nur noch als Safer Sex in den virtuellen
Abgründen des World Wide Web statt. Für die eigentliche Fortpflanzung ist er
überflüssig, denn Klonen und Reproduktionsmedizin machen den Austausch von
Körperflüssigkeiten inzwischen völlig überflüssig. Wozu es dann in der Zukunft
eigentlich noch Ehen gibt, bleibt freilich offen. Die kleinste Zelle der Gesellschaft, die
Familie, ist schließlich ohne die gemeinsame Verantwortung für die Kinder her sinnlos. Über einen Zeitraum von zweihundert Jahren, begonnen in der Jetztzeit, beschreibt Mommers die Entwicklung des Cybersex von der Technikspielerei bis zur einzig konzessionierten Form der Sexualität. Die technischen Einrichtungen spielen dabei natürlich eine nicht unwesentliche Rolle, es ist jedoch nicht sein Anliegen, Gebrauchsanweisungen für Webanzüge oder Touchboards zu entwerfen. Er thematisiert vielmehr das sinnliche Erleben, den Spaß am Sex und auch die vielfältigen Möglichkeiten des Missbrauchs der futuristischen Technologie. Mit der Zeit verlagert sich das Geschehen vom Rendezvous in virtuellen Bars hin zum Leben im Netz, sogar zu einem Leben nach dem Tod in einem künstlichen Paradies. Der Mensch entfremdet sich immer mehr von seinen Wurzeln, sucht die totale Kontrolle und lehnt das Natürliche ab. Der natürlich gezeugte Protagonist wird zum Paria, der sich hinter einer Maske verstecken muss, um noch eine Partnerin zu finden. Und schließlich und endlich werden Menschen, die ein Leben führen möchten, wie es hier und heute der Normalfall ist, aus der Gemeinschaft ausgestoßen, weil das als schmutzig, abartig und gefährlich empfunden wird. Helmuth W. Mommers ist kein Moralist, der dem Leser beständig den erigierten Zeigefinger ins Auge stößt, sondern ein nüchterner Realist. Frei nach Sir Peter Ustinov mag er sich nicht jeden Morgen von neuem verdeutlichen, dass die Welt schlecht ist, er weiß es vielmehr und versucht das Beste daraus zu machen. Man kann das Buch als Erzählungsband lesen oder als Episodenroman und wird gleichermaßen Gewinn daraus ziehen. Der Autor versteht es trotz unvermeidlicher Fachtermini gut zu unterhalten und den Spannungsbogen seiner Geschichten bis zum Ende durchzuhalten. Die erotischen Szenen sind nicht plakativ und gleiten nie in pornographische Untiefen ab. Sie gehören einfach dazu, wie Raumschiffe und Roboter zu einer Space Opera. Alles fügt sich zu einem überzeugenden Bild einer nahen Zukunft, die man als wünschenswert empfinden kann, aber nicht muss. Fred Siebert ALIEN CONTACT
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