Ein
schrecklicher Unfall hat sich an Halloween ereignet: Fünf Jugendliche prallten mit dem
Auto in voller Fahrt gegen einen Baum, drei starben dabei, und einer wurde so schwer
verletzt, dass er seitdem geistig behindert und körperlich verunstaltet ist. Der einzige,
der scheinbar unverletzt geblieben ist, fühlt sich innerlich wie tot. Ein Jahr später,
pünktlich zum nächsten Halloween-Fest, kommen die Geister der drei Gestorbenen zurück,
um den Überlebenden nahe zu sein und die sich anbahnende tragische Entwicklung zu
verhindern. Tim, der seinerzeit als einziger davongekommen zu sein scheint, will und kann
so nicht mehr weiterleben und beschließt, ebenfalls zu sterben. Aber nicht nur die drei
Geister versuchen, dies zu verhindern, sondern auch der Polizist, der vor einem Jahr die
Jugendlichen verfolgt hat und sich seitdem mitschuldig an dem Unfall fühlt. Doch ihnen
allen scheinen die Hände gebunden zu sein: Denn Geister können kaum Einfluss auf die
Lebenden nehmen, und der Polizist wird selbst viel zu sehr von seiner vermeintlichen
Schuld und seinem dadurch zerstörten Leben gequält, als dass er rationell handeln
könnte. Und so ist die Katastrophe geradezu vorprogrammiert ...Das wahre Grauen
in diesem Roman liegt in der völligen Auswegslosigkeit der Situation. Obwohl alle
Beteiligten im Grunde ganz genau wissen, auf welches schreckliches Ereignis die Handlung
zusteuert, ist niemand fähig, etwas daran zu ändern. Der Leser wird dadurch regelrecht
gezwungen, sich Gedanken über das Schicksal, das Leben und die eine oder andere Sinnfrage
zu machen. Nicht nur die Tiefe der Handlung unterscheidet Halloween von vielen
eher oberflächlichen Büchern, sondern auch der außergewöhnliche Stil. Die Beschreibung
der typischen amerikanischen Kleinstadt, ihrer Bewohner und deren Lebensumstände, die oft
genug einiges an realem oder eingebildeten Horror in sich tragen, erinnert an Stephen
King. Die zurückhaltende, kunstvolle Sprache gemahnt dagegen an Ray Bradbury, dem das
Buch auch gewidmet ist.
Besonders interessant an Halloween ist jedoch die ungewöhnliche
Erzählperspektive aus der Sicht der Geister, welche die lebenden Protagonisten unbemerkt
aufsuchen und deren Tun kommentieren.
Damit ist Halloween einerseits eine durchaus gelungene Mischung der Stilmittel
der beiden genannten, recht unterschiedlichen Meister der Phantastischen Literatur.
Andererseits ist Stewart O`Nan originell genug, so dass sein Roman als absolut
eigenständig bezeichnet werden kann - ein Autor also, den man unbedingt im Auge behalten
sollte!
Christian Hoffmann
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