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P.M. als Rodulf von GardauDie Schrecken des Jahres 1000Die Schrecken des Jahres 1000 (1996) Kumbi (1997) Pukaroa (1999) |
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Im Jahre 1996 veröffentlichte Heribert Illig sein zu Recht umstrittenes
Buch Das erfundene Mittelalter (jetzt schon in der 6. Auflage beim ECON-Verlag), in
dem er die These einer großen Geschichtsmanipulation in der Zeit des deutsch-römischen
Kaisers Otto III. (996 bis 1002) entwirft. Ebenfalls 1996 erschien der erste Teil von
P.M.s Romantrilogie um Die Schrecken des Jahres 1000. Beides hat auf den
ersten Blick nichts miteinander zu tun, aber ungewollt liefert P.M. die Antwort auf die
triftige Frage der Illig-Rezensenten, wer denn eine solch große Geschichts-Umschreibung
hätte durchziehen können. Der mit nur 22 Jahren ermordete Otto und die katholische
Geistlichkeit sicher nicht, immerhin hätten fast drei Jahrhunderte mit allem Drum und
Dran erstellt werden müssen (die These geht davon aus, daß das 7. - 9. Jahrhundert
schlicht dazugedichtet wurden, um Otto III. zum Kaiser des neuen Jahrtausends zu machen).
Ohne die Kooperation mit den Byzantinern und Arabern wäre ein solches Unterfangen einfach
illusorisch, und welches Interesse hätten diese daran gehabt, den jungen Otto mit
geborgtem Ruhm zu bekleckern! Der Schweizer Pseudonym-Autor P.M. enttarnte nun die Firma »Ad astra«, die sich mit dem Firmenlogo des Sternbildes des Orion und dem Leitspruch »Per aspera ad astra« schmückt. Diese ist im Besitz der Zeitmaschine und gibt dem Lauf der Geschichte durch eine Vielzahl von Agenten die gewünschte Richtung, damit zum Beispiel der Dow Jones zu einem bestimmten Zeitpunkt die Zehntausender-Marke überschreitet. Dabei muß die Firma nicht zu groben Mitteln greifen und etwa den Scheichen das Öl wegleiten, bevor diese überhaupt etwas damit anfangen können. Ihre hauptamtlichen Mitarbeiter haben viele offizielle Positionen besetzt, selbst als Papst oder König, und lenken auf diese Weise nahezu unauffällig das Menschheitsgeschick. Einer dieser Agenten ist Rodulf von Gardau, in der Rolle eines kleinen unzufriedenen Landadeligen, der wider Willen und zu seinem eigenen Erstaunen zum Mit-Initiator einer Revolution wird, die die ganzen schönen Pläne der Firma um das Jahr 1000 über den Haufen wirft. Da viele Firmen-Agenten darin involviert sind, kann »Ad astra« kaum etwas dagegen unternehmen. Die Zukunft nimmt einen anderen Verlauf. Das Buch ist in einem lockeren, fast schnoddrigen Tonfall gehalten, was oft vergnüglich, manchmal aber auch enervierend wirkt. Der arme Rodulf von Gardau wird in der Folge vom mittelalterlichen Europa in viele Weltgegenden verschlagen. Ein Vergleich mit den Irrfahrten des Odysseus hinkt, aber wie den alten Griechen zieht es unseren Ritter eigentlich nur nach Hause. Im Band Kumbi findet man ihn im afrikanischen Mali, in Pukaroa schließlich führt ihn sein Weg über Mittelamerika bis in die Weiten Asiens. Dabei erlebt er viele Abenteuer und kommt der Firma in die Quere, die zu retten sucht, was nicht mehr zu retten ist. Nicht nur nebenbei lernt man auch faszinierende Kulturen kennen; Geschichtskenntnisse sind dabei nicht unbedingt nötig, können aber zum besseren Verständnis nützlich sein. P.M. ist kein reiner Phantast, er bezweckt etwas und hält uns mit seinen Büchern den Spiegel vor. Als harter Gesellschaftskritiker redet er Tacheles, so im Vorwort des ersten Bandes: »Wenn wir heute das pädagogische Privileg haben, daß die Probleme global geworden sind, dann haben wir das unseren feigen Vorfahren zu verdanken, die sie nicht lösten und global werden ließen. Wir haben nun den ganzen Scheiß und sollen für die großartigen 'Einsichten', die er uns liefert, noch dankbar sein.« In Rodulfs Welt scheint es so einfach, das Ruder herumzuwerfen und der Menschheit eine bessere Zukunft zu bereiten. In der hiesigen Realität ist die Firma noch am Werk und richtet diesen schönen Planeten zugrunde. Wir verhalten uns wie die Opportunisten in Orwells 1984, lassen uns sehenden Auges für dumm verkaufen. P.M. will einen Denkansatz geben, damit die Menschen endlich aufwachen und sich wehren. Unwahrscheinlich, daß ihm das gelingt, denn das Gesetz der Entropie ist stärker. [sieb ALIEN CONTACT 35]
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