ALIEN CONTACT
ALIEN CONTACT 58 Inhalt Archiv

John Ringo

Der Aufmarsch. Invasion 1

A Hymn before Battle • 2000

Science Fiction > Alien Contact
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In der nahen Zukunft erfährt die Menschheit ein Wechselbad aus guten und schlechten Nachrichten: Die gute Nachricht lautet, dass eine überlegende fremde Rasse endlich Kontakt mit den Menschen aufnimmt und sich als freundlich entpuppt. Die schlechte Nachricht bringen die Außerirdischen im Handgepäck mit - sie verlieren zur Zeit einen interstellaren Krieg gegen einen übermächtigen Feind, und das nächste Ziel der potentiellen Sieger ist die Erde: Sie liegt direkt in der Schusslinie. - Das ist die Prämisse des Debütromans von John Ringo, der in den USA im Oktober 2000 bei Bean erschienen ist. Dieser Verlag hat sich in den letzten Jahren auf militärische Science Fiction mit Autoren wie Eric Flint und David Drake oder auch David Weber konzentriert. Mit Letztgenanntem schreibt Ringo an einer Trilogie.

Im Mittelpunkt des Buches steht der Querdenker Lt. Michael O’Neal, der sich nach seiner militärischen Karriere als Webdesigner versucht. Er wird einberufen, um neue Waffen im Kampf gegen die übermächtigen Feinde zu entwickeln. Zwei weitere Plotelemente sind die Ausbildung neuer Soldaten und eine Spähmission zu einem besetzten Planeten. Die beiden Seitenzweige des Buches wirken hölzern und unterentwickelt, öffnen allerdings die Tür für weitere Fortsetzungen.

Im Gegensatz zu David Weber, dem Autor der Honor-Harrington-Romane, entgleiten John Ringo die Handlungsfäden allzu oft. Wie im wirklichen Leben beim Militär besteht zwischen Planung am Reißbrett und dem brutalen Kampf ein gewaltiger Unterschied. Für den Autoren ist Krieg gleich Chaos. Tatsächlich liegt seine Stärke in der Schilderung der Kampfszenen, und hier reicht er eher an Haldemans Der ewige Krieg denn an Heinleins Sternenkrieger heran.

Seine Schwächen liegen in den Dialogen, in der Charakterisierung der einzelnen Figuren, die selten über Schablonen hinausgehen, und erstaunlicherweise in der fast überheblichen Art, mit der die Generäle eine überwältigende Übermacht (inkl. furchterregender Technik) herunterreden und auf die eigenen Stärken verweisen. Ringo lässt die außerirdischen Feinde als gesichtlose Masse auftreten. Damit vermeidet er die Klischeefallen des SF-Genres, kommt aber in seiner einseitigen Schilderung des Technokriegers gefährlich nahe an einen Propagandaroman heran. Hinzu kommt, dass ihm jegliches Gefühl für den ersten Kontakt mit einer fremden Spezies fehlt. Er verliert kein Wort über die sozialen und gesellschaftlichen Veränderungen. Selbst als die Generalmobilmachung kommt, verschweigt uns der Autor die tiefgreifenden Umschichtungen. Der kurze Hinweis auf überflüssige Berufsgruppen ist auf den ersten Blick lustig, doch sobald der Leser erkennt, dass es um Menschen geht, bleibt ihm das Lachen im Halse stecken.

Mit einem ironischen Augenzwinkern schildert Ringo allerdings den verzweifelten Plan der freundlich gesinnten Fremden, die kriegerischen Menschen als Volkssturm in die galaktische Schlacht zu werfen. Hinzu kommt zwischen den Zeilen die Schilderung einer Menschheit, die gegen einen Feind antreten muss, den sie nicht versteht, und das mit Waffen, die sie kaum kontrollieren kann.

John Ringos Invasion einseitig als Propagandaroman für das Militär abzutun, wäre zu einfach. Stilistisch in seinen wenigen ruhigen Passagen schwach, überzeugt das Buch in den Actionsequenzen. Zum Abschluss sei noch anmerkt, dass dem Buch ein wichtiges Element gänzlich abgeht: Egal wie lange man sucht, es findet sich kein »sense of wonder«.

• Thomas Harbach

Dt. Erstausgabe
John Ringo, Der Aufmarsch. Invasion 1
(München: Heyne, 2003) [06/6461] Bestellen
Dt. von Heinz Zwack, Titelbild von David Mattingly, 544 Seiten
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