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| Mit drei Jahren Verzögerung liegen nun endlich alle Mars-Romane von Kim
Stanley Robinson auf Deutsch vor - obwohl das Wort »Roman« in diesem Zusammenhang
irreführend ist. Denn Die Marsianer ist nicht etwa die Fortsetzung von Blauer
Mars, dem letzten Band der Mars-Trilogie. Vielmehr handelt es sich um eine
Sammlung von Kurzgeschichten und Fragmenten, die chronologisch über die ganze Trilogie
verteilt angesiedelt sind (obwohl der größte Teil während und nach Blauer Mars
stattfindet). Die dreißig Kapitel des Buches sind weitgehend voneinander unabhängig, die
meisten lassen sich als Kurzgeschichten lesen, dazwischen finden sich aber auch
zweiseitige Landschaftsbeschreibungen, eine Erzählung mit gut hundert Seiten und sogar
einige Gedichte. Stilistisch bietet Robinson noch einmal alles auf, was sich bereits in
der Mars-Trilogie bewährt hat: Die Figuren sind sorgfältig ausgearbeitet und
zugleich schnell zugänglich. Die poetische Qualität von Robinsons eigentlich recht
nüchterner Prosa entsteht dadurch, dass er sich immer ganz und gar auf den Blickwinkel
dieser Figuren einlässt, so dass man als Leser die Welt direkt und sinnlich erfährt. Die
sich über mehrere Erzählungen fortsetzende Geschichte der marsianischen Bergsteiger
Eileen und Roger entspricht am meisten dem Stil und der Thematik, die schon aus der Mars-Trilogie
bekannt ist. Einer von Robinsons Lieblingstopoi, der Kampf mit den Elementen, wird hier
zuweilen etwas überstrapaziert, erzeugt aber durchaus Spannung. Doch Robinson nutzt das
offene Format der Marsianer auch für Experimente. Zu den gelungenen kann man
wohl die beiden kurzen Erzählungen über den Psychologen Michel rechnen, die in knapper
Form eine bedrückende Alternativgeschichte des Mars erzählen. Die Gedichtsammlung gegen
Ende ist dagegen wenig überzeugend: Tatsächlich wirkt die Prosa Robinsons weit lyrischer
als die hier gebotene Lyrik. Auch »Purpurner Mars«, eine Erzählung aus Robinsons
Perspektive, erscheint recht überflüssig. SF-Leser, die der Mars-Trilogie nicht kundig sind, dürften in jedem Fall einige Probleme mit den Marsianern haben. Zum einen sind die meisten Erzählungen nur vor diesem Hintergrund nachvollziehbar; zum anderen liest sich das Buch ansonsten kaum noch wie gesellschaftskritische Science Fiction. Den SF-Aspekt erhält die Mars-Trilogie vor allen Dingen durch die ausführliche Darstellung ambivalenter Verhältnisse zu Technologie, Natur und Gesellschaft. Während die Trilogie diese produktiven Spannungsfelder ausarbeitet, kann Die Marsianer sie nur streifen. Ein Text wie die Mars-Verfassung ist eben nur vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Verhältnisse interessant, die in Grüner Mars und Blauer Mars entworfen werden. Es mag seltsam anmuten, aber der eigentlich konservative Erzählstil der Trilogie bringt die kritischen Elemente von Robinsons Fiktion weit besser zur Geltung. Marsveteranen werden sicher mit Freuden noch einmal auf den nicht nur roten Planeten zurückehren und all das wiederfinden, was sie an der Trilogie geliebt haben; Gelegenheitsmarsianer werden ihre Freude an einigen der längeren, in sich geschlossenen Erzählungen haben. Wer jedoch Kim Stanley Robinsons Mars ganz neu kennen lernen möchte, dem sei der Einstieg mit Roter Mars, dem ersten Band der Trilogie, ans Herz gelegt. Jakob Schmidt ALIEN CONTACT
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