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Alien Contact Buch-Tips |
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| Die Neuherausgabe dieses Bandes macht dem interessierten Leser einen
Klassiker der Dekadence-Literatur der vorletzten Jahrhundertwende in einer gut lesbaren
und preiswerten Ausgabe zugänglich. Das Buch ist ein Standartwerk dieser Epoche, die für
die phantastische und makabre Literatur repräsentativ und beispielgebend war. Allerdings
sind die Geschichten nicht oder nur kaum der Phantastik zuzuordnen. In den der Titelnovelle vorangestellten 19 Kurzerzählungen erzählt der Belgier in verschiedenen Variationen über die Nähe von Liebe und Tod, von der Analogie zwischen einem Auszug aus den gewohnten vier Wänden und dem Tode, von der Opferbereitschaft einer gläubigen Stadtbevölkerung, deren Edelmetalle in den Guss einer neuen Glocke einfließen, und die dadurch die Erinnerungen und Gefühle bewahrt, die die Menschen mit den geopferten Gegenständen verbinden. Reiche, materiell unabhängige Müßiggänger verlieren sich in verschiedenen Formen des Wahnsinns, so beispielsweise in einer Welt, die scheinbar in Spiegeln existiert. Ein anderer ermordet sich selbst, weil er so den Wert seiner dilettantischen Schriftstellerei-Versuche heben möchte (nur ein toter Dicher ist ein guter Dichter ...). In allen Erzählungen herrscht drückende Melancholie, herbstliches Ambiente bestimmt die Gemütsstimmung, der Tod ist allgegenwärtig, erscheint mal als Normalität, dann als Trost spendende Zuflucht, aber auch als unausweichliches, bedauernswertes Schicksal, auf das sogar die Schulzeit vorbereitet. Der Autor ist ein Meister der Tristes, seine Stimmungsbilder in Grau sind kleine Kunstwerke. Wenn man allerdings eine spannende Geschichte erwartet, wird man hier oft enttäuscht. Insofern ist kaum verständlich, warum der Nachwortautor von Poe als Vorbild für Rodenbach schreibt. Die Geschichten beginnen oft vielversprechend, enden aber holprig und ohne wirkliche Pointe. Darüber hinaus sind die moralisierenden Lehren der Texte nur schwer verdaulich, auch wenn moralisch und gesellschaftlich konform wirkende Siege gegen Protagonisten, die deren Ideale verraten, dem Leser oft als ungerecht erscheinen. Insofern ist Rodenbach ein typischer Fin-de-Siècle-Autor, der den allgemeinen Verfall der Normen und Werte bedauert und sie nicht nur - eindrucksvoll - beschreibt. Als Highlights unter den kurzen Texten sollen »Die Chorherren« und »Es war keiner« genant werden. In der ersten Vignette richten die Kirchenoberen über ihren toten Bischof, dem man eigentlich keine Verfehlungen nachsagen kann und der beim Volk beliebt war. Doch den Strenggläubigen ob seiner Freizügigkeiten in Religionsausübung und Lebensweise war er ein Dorn im Auge. Als er in den Sarg gelegt werden soll, beugt er sich immer noch nicht (aufgrund der Leichestarre). Dieser ironische, fast schwarzhumorige Touch ist außerordentlich gelungen! In »Es war keiner« wird eine schwachsinnige Frau schwanger; niemand im Dorf kann sich vorstellen, wer sie geschwängert hat. Und das Rätsel wird auch nicht gelöst, aber die Story lebt von der Schilderung der Mißgünstigkeit der lieben Nachbarn. Die Titelgeschichte ist gleichzeitig der längste Text und das Highlight des Bandes. Ein Witwer sucht in einer Stadt, die selbst tot zu sein scheint, Bestätigung für seinen eigenen Seelenzustand. Der Autor überbietet sich hier in der Schilderung einer morbiden, herbstlichen, trüben, verlassen wirkenden Kulisse selbst. Vorbild war im das spätbürgerliche Brügge, das seine Hochzeit als Hansestadt längst hinter sich hatte. Der Witwer trifft nach fünf Jahren trauernder Einsamkeit eine Frau, die seiner ehemals Angetrauten wie ein Ei dem anderen gleicht. Allerdings trügt diese Ähnlichkeit, denn im Grunde ist sie das genaue Gegenteil der einst Geliebten. Natürlich endet dieses Verhältnis tragisch ... Insgesamt ist Rodenbach ein »Muss« für jeden Freund dunkler Phantastik, schon um zu erfahren, wie die literarische Finsternis auf die Welt kam. Thomas Hofmann ALIEN CONTACT |
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