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| Die Amerikanerin Joanna Russ war die erste Feministin der Science Fiction und vermutlich die
radikalste Vertreterin einer Literatur, die das S im Kürzel SF als Spekulation versteht.
Auch ihrem bekanntesten, 1975 erschienenen Werk, das jetzt unter dem Titel Eine Weile
entfernt überarbeitet auf deutsch vorliegt, fehlt der technische Glanz; wichtig
waren für Russ soziale Spannungen und Prägungen. Poetisch genau beschreibt der
Originaltitel The Female Man ihr Anliegen durch die Doppelbedeutung des
englischen »man« als Mensch und Mann: Frauen sollen an der Gesellschaft gleichberechtigt
teilhaben. Das war im chauvinistischen Amerika der späten Sechziger nicht denkbar. Grob
gesagt vedienten Männer das Geld, das Verständnis reichte kaum über Sex hinaus; die
Rollen waren fest gefügt, und auch bei Frauen regte sich kaum ein Gedanke, sie ändern zu
wollen: »Sein Beitrag ist 'Sorg dafür, daß ich mich gut fühle', ihr Beitrag ist 'Sorg
dafür, daß ich existiere'«. Russ nutzt für ihren utopischen Entwurf einen eleganten Zeitreisetrick, einen Wechsel in Parallelwelten. Jeannine lebt verträumt und konventionsgesteuert in einem Amerika, das keinen Zweiten Weltkrieg kennt, Jael als überlegene Triebtäterin im Geschlechterkampf, Janet in einer Zukunft ohne Männer, Joanna als frustrierte Autorin in den Siebzigern. Wenn diese vier einander in den unverständigen Realitäten unserer Welt begegnen, ist nichts mehr wie zuvor. Russ liefert keine hausbackene Handlung, sondern einen höchst elektrischen Patchwork-Text, geschult an der blendenden Dekadenz des New Wave (für ihre dem Roman zugrunde liegende Erzählung When It Changed erhielt sie 1972 den Nebula-Award): Eine Weile entfernt ist gnadenlos sezierend, höchst amüsant, hitzköpfig, hoffnungsfroh und gar nicht so versteckt didaktisch. Liebe heißt wohlige Schmerzen und heilendes Gift, Freundschaft und Operette. Uwe Salzbrenner ALIEN CONTACT |
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