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Alien Contact Buch-Tips |
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| Geschichten über die Entdeckung fremder Kulturen sind oft auch Geschichten
des gloriosen Scheiterns. Bei aller Offenheit dem Fremden gegenüber, sind es der naive
Enthusiasmus, das unbewußte Anlegen der eigenen Verhaltensmuster und das Mitführen der
eigenen Vergangenheit, die ins Chaos führen. Handelt es sich bei dem Ort der Entdeckung
um einen fremden Planeten, wird das Scheitern nahezu unvermeidbar. Natürlich ist dies der Stoff, aus dem epische Geschichten gemacht werden. Das hat Mary Doria Russell erkannt. Auf rund sechshundertfünfzig Seiten läßt sie ihren Protagonisten, den Jesuitenpater Emilio Sandoz, von seiner tragischen Blauäugigkeit berichten, läßt den Leser mitleiden und mithoffen. Sandoz ist ein Entdecker, ebenso Jimmy Quinn, Anne und George Edwards und Sofia Mendez. Sie alle werden durch eine Kette von Zufällen verbunden, und sie alle begeben sich auf die Reise zu einer fremden Kultur: zum Planeten Rakhat. Gleichzeitig bedeutet diese Reise ein Erkennen der eigenen Person und die Konfrontation mit verleugneten Gefühlen. Doch bis die Protagonisten zu ihrer schicksalhaften Reise aufbrechen dürfen, verlangt die Autorin Ausdauer und sehr viel Aufmerksamkeit von ihren Lesern. Anstrengend wird es, wenn Russell zwischen den Jahrzehnten hin und her springt - in die Zeit vor und nach der Reise - obwohl sie stilsicher schreibt und spannend erzählt. Außerdem wird sich denen, die nicht den religiösen Hintergrund der Schriftstellerin haben, Pater Sandoz' göttliche Berufung und sein Hang zum Märtyrertum nicht so recht erschließen. Auch sind ihre Figuren eigentlich etwas zu gut, um »echt« zu wirken. Dennoch ist es gerade diese Eigenschaft ihrer Protagonisten, die das Scheitern der Mission auf Rakhat erst möglich macht. So findet die Annäherung an den fremden Planeten und seine Bewohner mit einer Geisteshaltung statt, die irgendwo zwischen göttlicher Berufung und New-Age-Naivität anzusiedeln ist. Zuerst treffen wir, im Jahr 2056, den zerstörten und verstümmelten Emilio Sandoz. Versteckt vor der Öffentlichkeit, unfähig sich zu artikulieren, soll er erklären, warum ausgerechnet er der einzige Überlebende der Rakhat-Expedition ist. Dann führt uns die Autorin auf eine »wie alles begann«-Reise in die Vergangenheit: nach Arecibo. Dort arbeitet Jimmy Quinn an einem Projekt, das die menschliche Effizienz im Vergleich zu einer K.I. beweisen soll, wenn es darum geht, den Weltraum nach außerirdischen Signalen abzusuchen. Erkennt eine K.I. auch Musik? Jimmy Quinn tut es. Er empfängt als erster die »überirdischen Klänge«. Die, so die Schlußfolgerung der Protagonisten, nur von einer höherstehenden (gottähnlichen) Spezies stammen können. Als die Gruppe auf Rakhat eintrifft, ist alles wunderbar: die Landschaft, die lieben Eingeborenen - einfach alles. Bei soviel Wunderbarem wird nicht hinterfragt, denn wer hinterfragt schon den Garten Eden? Doch nach und nach werden die Entdecker von ihrem Unverständnis, ihrer Ignoranz und ihrer Vertrauensseligkeit dem Fremden gegenüber eingeholt. Sperling ist kein typischer Roman über die Entdeckung fremder Welten, vorrangig geht es der Autorin um die Entdeckung der inneren Welt ihrer Protagonisten, aber genau das macht wiederum den Reiz des Buches aus. Myra Çakan ALIEN CONTACT 38
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Ausgezeichnet mit dem Kurd Laßwitz Preis 2001 |
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