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| Als Alfred Behrlau eines Morgens zur Arbeit fährt, wird er Zeuge eines
schweren Autounfalls. Weil er es nicht fertig bringt, dem schwer verletzten Unfallopfer zu
helfen, versucht er Hilfe zu holen. Seine Versuche scheitern jedoch an einem vergessenen
Handy, einer zerstörten Telefonzelle und anderen widrigen Umständen, und schließlich
gibt er auf. Am nächsten Morgen erfährt er, dass das Unfallopfer verstorben ist, weil es
zu spät entdeckt wurde. Hätte Behrlau nicht aufgegeben, wäre es wahrscheinlich noch am
leben. Sein schlechtes Gewissen ist noch die geringste Plage, mit der Behrlau seit jenem Morgen zu kämpfen hat. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass die Telefonanlage seines Arbeitgebers just in dem Moment seinen Dienst versagte, in dem das Opfer sein Leben aushauchte, und mit einem Motorradfahrer kommt ein weiterer Unfallzeuge, noch dazu am selben Unfallort, unter seltsamen Umständen ums Leben. Behrlau beginnt zu ahnen, dass die Rache aus dem Totenreich früher oder später auch ihn ereilen wird. Der Roman folgt dem für Horrorstorys typischen Muster, wonach das jenseitige Grauen zunehmend in den normalen Alltag eindringt. Der Gewinn des Lesers besteht dabei in dem erleichterten Gefühl, dass der Kelch an ihm selbst vorübergegangen ist und er sich des Fortbestehens seiner eigenen geordneten Welt weiterhin sicher sein kann. Vor dem Hintergrund dieses Anspruchs sind Handlung, Aufbau und viele Details des Romans überdurchschnittlich gut gemacht. Unübersehbar ist allerdings auch ein Riesendefizit, das jedem Leser sofort ins Auge springen dürfte. Dieses besteht in einer Sprache, die man ohne Umschweife als verkorkst bezeichnen muss. Die Wiedergabe der Ereignisse wird geradezu ertränkt in doppelten und dreifachen Schilderungen, die unmittelbar aufeinander folgen; ferner in langen Satzketten, in denen noch das überflüssigste atmosphärische Detail seinen Platz finden soll; und nicht zuletzt in einer Anhäufung von Adjektiven - als könnte der Autor kein einziges Hauptwort für sich alleine stehen lassen. Ein solcher Overkill an Worten ist ein typischer Anfängerfehler. Es ist leider nur vermeintliche Sprachgewalt, die faktisch langweilt und den Lesefluss hemmt. Bezeichnenderweise bleibt der Text völlig verständlich, wenn man nur jeden zweiten Satz liest. Allerdings wäre es eigentlich die Aufgabe des Autors gewesen, diese Auswahl zu treffen. Daher folgende Bitte an ihn: Nicht mit Schreiben aufhören, denn Grundidee und Konzept sind hervorragend. In Zukunft aber knapper und prägnanter formulieren. Peter Samol |
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